Geschichte der Stadt Weißenburg

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Der nachstehende Fachartikel zur Geschichte der Stadt Weißenburg wurde von Stadtarchivar Reiner Kammerl verfasst. Er wurde ursprünglich 2001 veröffentlicht.[1]

Historischer Überblick

Biricianis – Uuizinburc ... in pago Sualafeld, Weißenburg am (oder seltener auch im) Nordgau,[2] Weißenburg am Sand[3] und offiziell seit 1904 Weißenburg i. Bay.: so vielfältig wie die Namensgebung ist auch die nunmehr fast 2000jährige Geschichte der Stadt.

Als Konstante in dieser langen Zeitspanne könnte man eine stete Lage im Grenzgebiet fassen. Schon das römische Weißenburg mit seiner Militär- und Zivilsiedlung war unmittelbarer und darüber hinaus auch zentraler Standort am Raetischen Limes. Der spätere fränkische Königshof entstand als exponierter Stützpunkt des Frankenreiches an der Grenze zum Baiernreich der Agilolfinger und schließlich nach der Ausbildung der Territorialstaaten blieb Weißenburg im Schmelzbereich zwischen Altbaiern, Schaben und Franken. Sich selbst sahen und sehen die Weißenburger allerdings immer als Franken.


Die Deutung des Ortsnamens Weißenburg (in seiner ältesten Form 867 "Uuizinburc" geschrieben) ist in der wissenschaftlichen Forschung umstritten. Favorisiert wird hier die Ableitung von einer "Burg des Wizo", also eine Kombination aus Orts- und Personennamen. Die Lokalisierung einer solchen "Burg" gestaltet sich schwierig. Diskutiert wird hier neben der "Alten Bürg", einer Anlage auf einem Bergsporn östlich der Stadt Weißenburg,[4] die Annahme eines befestigten Platzes im Bereich der Altstadt um die heutige Schranne, von dem der Name auf die spätere Siedlung übernommen wurde.[5] Fahlbusch sieht in der weißen Burg ganz allgemein ein Synonym für die königliche Burg und nimmt damit den karolingischen Königshof westlich des heutigen Platzes Am Hof als namensgebend an.[6] In der lokalen Geschichtsforschung wurde meist von einer Interpretation des Stadtnamens als "weiße Burg" (im Vergleich zur "roten Burg" aus rotem Sandstein in Rothenburg) ausgegangen. In ihr sollen sich die weißen (Kalkstein-)Reste der römischen Siedlung verbergen. Unterstützt wird diese Deutung durch den Flurnamen „Weissebürg“, der sich bis auf die Gegenwart erhalten hat und der auf Karten des 18. Jahrhunderts für das Gelände des Römerkastells belegt ist.[7] Allerdings lässt die enorme Zeitspanne zwischen der Zerstörung der römischen Siedlung und dem ersten Namensbeleg einen Bezug zur römischen Vorgängersiedlung eher zweifelhaft erscheinen.


Siedlungsgeschichtliche Anfänge

Der Standort für die Anlage einer Siedlung war gut gewählt. Gute, ertragreiche Böden und vor allem die Lage am Kreuzungspunkt zweier wichtiger, von den Römern übernommener und ausgebauter Fernstraßen begünstigten das Entstehen und das Wachsen Weißenburgs. Von Ost nach West verläuft die später sog. "Nibelungenstraße" aus dem Seinebecken von Paris über Worms und Wimpfen über Westernach nach Südosteuropa. Auf ihr zogen einst die Burgunder von Worms an die Donau, wobei sie über Geislingen, Crailsheim, Ruffenhofen auch an Weißenburg vorbei kamen.

Die andere wichtige Altstraße ist in Süd-Nord-Richtung die später sog. „Bernsteinstraße“, die noch heute wesentlich den Verlauf der Bundesstraße B 2 markiert. Sie führt aus Italien kommend von Augsburg zum Donauübergang bei Donauwörth, bei Dietfurt über die Altmühl und dann über Weißenburg zum Limes und weiter nach Norddeutschland.

Es gilt als sicher, daß die germanischen Völker diese schon in vorrömischer Zeit entstandenen Straßen annahmen und weiter benutzten. Dafür sprechen die zahlreichen Fundstellen entlang ihres Verlaufs.[8]


Ins siedlungsgeschichtliche Licht tritt unser Weißenburg als „Biricianis“[9] ab etwa 90 n. Chr., wobei die im Osten der Stadt aufgedeckten Reste einer Viereckschanze eine keltische Vorgängersiedlung im heutigen Stadtgebiet nahelegen.[10] Begründet wurde Biricianis als Grenzposten der römischen Provinz Raetia.[11] Unter Kaiser Domitian (81 – 96 n. Chr.) erfolgte die Anlage des römischen Kastells zunächst in Holz-Erde-Bauweise.[12] Um 150 n. Chr. erhielt das Militärlager dann eine Ausgestaltung in Stein. Westlich, östlich und vor allem südlich an das Kastell anschließend folgte die römische Zivilsiedlung ("vicus"), die durch zahlreiche Funde dokumentiert ist.

In der Mitte des dritten Jahrhunderts kam das Ende der römischen Besiedelung unserer Gegend. Erstmals im Jahr 233 durchbrachen die Germanen die römische Grenzbefestigung des Limes und stießen bis ins Allgäu vor. Nach erneuten Alamanneneinfällen in den Jahren 259/60 mußten sich die Römer hinter die Donaulinie zurückziehen. Auch der Standort Weißenburg wurde aufgegeben. Eine kleiner Siedlungsrest ist allerdings im Bereich der Römischen Thermen belegt. Dort zeugen provisorischen Einbauten und ein römisches Brandgrab von einer noch kurzzeitig andauernden Besiedelung.[13]

Die Ruinen des römischen Weißenburgs zerfielen und wurden vielleicht zum Aufbau der mittelalterlichen Stadt verwendet. Diese entstand wenige hundert Meter östlich der Römersiedlung auf einem siedlungsgünstigen Gelände. Die römischen Relikte verschwanden schließlich unter einer Erdschicht und wurden von Ackerland überzogen.

Nach dem Untergang der römischen Siedlung in der Mitte des 3. Jahrhunderts sind – bislang zumindest – für lange Zeit keine Hinweise auf menschliche Siedlungstätigkeit mehr nachweisbar, auch wenn für den Weißenburger Raum mit einer Besiedelung durch elbgermanische Gruppen vom alamannischen Zweigstamm der Juthungen spätestens ab dem vierten Jahrundert zu rechnen ist.[14]

Erste nachweisbare Spuren finden sich dann in einem Reihengräberfeld des 6. und 7. Jahrhunderts an der Eichstätter Straße, das schon Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt und zwischen 1968 und 1974 wissenschaftlich untersucht wurde. Dieses großflächige merowingische Gräberfeld mit einer Ausdehnung von rund 200 x 150 m enthielt zum Teil recht aufwendige Grabbeigaben, was gegen eine einfache dörfliche Siedlung und für die Existenz eines wiederum recht ansehnlichen Ortes spricht. Aus der auf 1750 Bestattungen geschätzten Gräberzahl läßt sich eine Bevölkerung von rund 350 Personen für den damaligen Ort abschätzen, ein weiterer Hinweis auf eine recht bedeutende Siedlung.[15] Der hohe Anteil von Importwaren läßt vermuten, daß die Bewohner zu einer fränkischen Siedlung in dem ansonsten vorwiegend alamannisch geprägten Grenzgebiet gehörten.

Mit der fortschreitenden Christianisierung unseres Raumes verschwand auch die alte Sitte der Grabbeigaben und der oben erwähnte Friedhof wurde aufgelassen. Das Zentrum der zugehörigen Siedlung lokalisiert man im Osten der Altstadt um die heutige Markthalle Schranne. An ihrer Stelle stand die frühere Urkirche St. Martin. Nicht nur das Patrozinium weist schon auf ein hohes Alter der Kirche hin, noch im Altarpfründeverzeichnis von 1488 wird sie als „uralt Pfarkirch“ bezeichnet.[16] Beim Umbau der Schranne in den Jahren 1989/90 entdeckte man unter dem Fußboden im Bereich der ehemaligen Kirche zwei Steinplattengräber. Die dort noch vorhandenen Holzreste eines Sarges konnten auf die Zeit nach 665 datiert werden. Gleichzeitig wurden die Grundrisse der ehemaligen Kirche und ihrer zwei Vorgängerbauten aufgedeckt, deren älteste Bauphase in die Zeit um 700 datiert wird.[17] Außerhalb der ehemaligen Kirchen wurden – nicht nur bei den erwähnten Umbauten, sondern auch schon zu früheren Zeiten – immer wieder Gräber eines christlichen Friedhofes aufgedeckt. Dieser ist als Fortsetzung des vorchristlichen Gräberfeldes außerhalb der Altstadt zu sehen.

Die fränkische Siedlung war als vorgeschobener Eckpfeiler im Frankenreich von strategisch hoher Bedeutung. Die dokumentiert nicht zuletzt die nachweisbare Existenz eines fränkischen Königshofes, der zu dem ab der Mitte des 8. Jahrhunderts fassbaren karolingischen Verwaltungsbezirk des Sualafeldgaus gehörte.[18] In ihm weilte vermutlich auch Karl der Große, um von hier aus sein ehrgeiziges Projekt einer Verbindung der Wasserstraßen von Rhein und Donau zu leiten. Geschickt wählte er dazu die südlich der Stadt mit einem Höhenunterschied von wenigen Metern relativ flach verlaufende Europäische Hauptwasserscheide.

Der Weißenburger Königshof lag am Ende einer bei Hallstatt beginnenden Reihe. Im Abstand von Tagesetappen folgten nach Süden Forchheim, Fürth und Schwabach. Gemeinsam ist all diesen Könighöfen neben der Lage entlang der Rezat und Regnitz auch ein jeweils östlich vorgelagerter, ausgedehnter Waldbezirk. Diese mit Rodungsverbot geschützte Waldzone war sicherlich aus strategischen Gesichtspunkten als eine Art Pufferzone an der Grenze zu Baiern gedacht.[19]

Stadtwerdung

Der Weißenburger Königshof, der in einer Urkunde vom 14. Juni 867 erstmals schriftlich faßbar wird,[20] bestand wohl aus einem einfachen steinernen Hauptgebäude sowie einer ganzen Reihe von strohgedeckten, hölzernen Wirtschaftsgebäuden. Der Bereich dieser karolingischen Pfalz war mit einem einfachen Holzzaun umgeben. Seine Lage wird heute allgemein westlich des Altstadtplatzes Am Hof vermutet. Schon die Präposition „am“ weist nicht auf den direkten, sondern auf einen anschließenden Bereich hin. Auch der Verlauf der (späteren) Stadtummauerung mit einem aus dem Grundriß leicht abzuleitenden Oval um die St.- Andreaskirche (in ihr wird die Nachfolgerin der Königshofkapelle gesehen) und den Gebäudekomplex um den Martin-Luther-Platz wird als Hinweis auf die Lage des Königshofes gedeutet. Noch das Pfalzenverzeichnis aus der Zeit Heinrichs IV. nennt den Weißenburger Königshof, weitere Belege für den Aufenthalt deutscher Könige in Weißenburg sind für die Jahre 1036, 1058, 1059 und 1070 nachweisbar.[21] Als Mittelpunkt eines Königsgutbezirks kam ihm die "fiskalische, regionale, kirchliche und kultische" Mittelpunktsfunktion zu.[22]


Der Weißenburger Königshof gehörte zur Ausstattung des Sualafeldgaugrafen. Der Gau Sualafeld reichte von der Donau bei Donauwörth bis Schwabach und von Dinkelsbühl bis an die Grenzen des Nordgaus östlich von Weißenburg. Gaugrafen waren seit dem 11. Jahrhundert die Grafen von Lechsgemünd-Graisbach, dann die von Lechsgemünd-Frontenhausen, deren Mannesstamm im Jahre 1324 erlosch. Mit einem Teil der Grafschaft Graisbach gelangte Weißenburg um das Jahr 1000 an den Herzog Ernst von Schwaben. Nach der Niederschlagung des Aufstands des Herzogs durch seinen Stiefvater, den Salier Konrad II., wurde Weißenburg 1028 dem Reichsgut einverleibt und somit direkt dem deutschen König unterstellt.[23]


Nordöstlich und östlich an den Königshof anschließend ließen sich wahrscheinlich königliche Dienstmannen, Kaufleute und Handwerker nieder. Das "Weißenburger Dienstmannenrecht" des Jahres 1029, eine historische Fälschung unter Verwendung einer echten Urkunde Konrad II., die in den Zeitraum 1070 – 1080 datiert wird, nennt sogar die damals führenden Männer am Weißenburger Königshof, wie Reginzo von Burgsalach, Wizo von Wimersheim und Adalger von Hof. Sie hatten mit ihren Familien zivile Dienste am Königshof, vor allem aber Heerfolge zu leisten.[24]


Königshof mit zugehörigem Suburbium und die alte fränkische Siedlung bildeten den Grundstock zur späteren Stadt. Die Verschmelzung dieser Siedlungskerne zog sich sicherlich über mehrere Jahrhunderte hin. Der Ausbau der Stadtbefestigung könnte das verbindende Moment gewesen sein. Diskutiert wird hierbei zunächst ein älterer Mauerring, der nur den Königshof und das zugehörig Suburbium umfasste. In seinem östlichen Verlauf soll die Befestigung den heutigen Altstadtgassen Heigertgasse – Rosenbühl – Höllgasse zum Spitaltor folgen. [25] Unklar ist die Jahreszahl 1110 am Obertor, die der Chronist Georg Adam Voltz allerdings auch schon nicht mehr mit eigenen Augen gesehen hat.[26] Für das Spitaltor scheint die Jahreszahl 1151 schon eher gesichert, nachdem diese von Johann Alexander Döderlein selbst entdeckt wurde.[27]

Die erste Stadtbefestigung, auf die sich dann auch die urkundliche Erwähnung als "burgus", d.h. als befestigter Ort, im Jahr 1188 bezieht,[28] bestand in einer Anlage mit Erdwall und Graben.[29] Gegen einen entschlossenen Gegner bot diese Befestigung nur wenig Schutz. Belegt ist, dass das staufertreue Weißenburg[30] zur Zeit des Interregnums im Jahr 1262 von dem Wittelsbacher Ludwig dem Strengen durch Brand und Plünderung zerstört wurde. Es war der Kampf um das staufische Erbe, das mit den Königshöfen Nürnberg, Greding und Weißenburg auch unsere Gegend betraf. Die vom letzten Staufer Konradin als Erben seines umfangreichen Hausgutes eingesetzten Wittelsbacher wollten verhindern, daß die mit ihnen verfeindeten Pappenheimer (1247 hatten sie diesen Burg und Amt Neuburg weggenommen) sich dieses Erbes bemächtigten.

Die Annalen des Klosters Mattsee im Salzburger Land berichten als einzige Quelle über diese Zerstörung. Ins Deutsche übersetzt heisst es dort:[31] "1262 hat Ludwig, Herzog von Bayern, um das Fest des Heiligen Jacobus ?= 25. Juli? herum, den Besitz des Marschalls von Pappenheim und seiner Verbündeten, vor allem die Stadt Weißenburg, durch Brandschatzung verwüstet."

Ludwig der Strenge bekämpfte damals die Marschälle von Pappenheim und zerstörte dabei nicht nur das mit diesem verbündete Weißenburg, sondern auch die Burgen Möhren und Bergen und wahrscheinlich ebenso das Kloster Wülzburg. Als Folge der Wirren "der kaiserlosen, der schrecklichen Zeit" verließen nicht nur 1276 die Augustinerinnen ihr Kloster in der Vorstadt und siedelten ins Kloster Pettendorf bei Regensburg über[32], auch die Brüder Ulrich und Buchard von Weißenburg übertrugen ihren Besitz und ihre Burg Mischelbach dem Bischof von Eichstätt, erhielten sie jedoch als Lehen zurück und konnten so unter dem Schutz des neutralen Bischofs ihren Besitz aus den Kämpfen heraushalten.

Über das Ausmaß der Zerstörung bzw. ob die Stadt wirklich völlig zerstört wurde, kann nur spekuliert werden. In Anbetracht der damals üblichen Holzbauweise mit strohgedeckten Dächern ist jedoch davon auszugehen, daß das Feuer in der Stadt reiche Nahrung gefunden hat. Die legendenhafte Ortsüberlieferung besagt, dass die Stadt mit den Steinen des Römerkastells wieder aufgebaut wurde.[33]


Eine Stadt im rechtlichen Sinn war Weißenburg spätestens seit der Mitte des 13. Jahrhunderts.[34] Im Schutz der Stadtmauer bildete sich das städtische Gemeinwesen heraus, zunächst noch neben dem königlichen Amtmann, den es im Laufe der Zeit aber völlig verdrängt. Ab dem Jahr 1240 ist eine städtische Selbstverwaltung anzunehmen, auch wenn eine eigene Urkunde über die Verleihung von Stadtrechten nicht erhalten ist. Erstmals 1240 wird Weißenburg in einer Stiftungsurkunde für das 1238 gegründete Nonnenklosters als "civitas" bezeichnet.[35]

Ab 1241 treten Weißenburger Bürger ("cives") als Zeugen in der freiwilligen Gerichtsbarkeit auf.[36] Eine Seelgerätestiftung an das Klösterlein erwähnt 1241 neben dem Amtmann (Minister) auch die "reliqui cives", also die übrigen Bürger.[37] Letztere scheinen dem Amtmann als Schöffen bei Gericht oder als Ratgeber bei der Verwaltung zur Seite gestanden zu haben. Dies legt den Schluß nahe, dass zu dieser Zeit bereits eine städtische Verwaltung bestanden hat.[38]

Aus diesem Jahr ist zudem erstmals ein städtisches Siegel erhalten.[39] Gleichzeitig wird Weißenburg mit 40 Mark Silber, einer vergleichsweise geringen Summe, zur Reichssteuer veranlagt.[40] Ein Weißenburger Stadtrecht ist 1288 belegt, als Marschall Heinrich von Pappenheim für seine Residenzstadt Pappenheim die gleichen Rechte von König Rudolf verliehen bekam.[41]


Reichsstadt, Reichspflege, Wülzburg

Das ursprünglich große Königsgut um Weißenburg wurde durch königliche Schenkungspolitik zusehens geschmälert. Das Kloster Metten erhielt schon mit der genannten Urkunde von 867 einen großen Teil des zum Weißenburger Königshof gehörenden Waldes. Auch das neu gegründete Bistum Eichstätt sowie die Klöster Heidenheim, Solnhofen und nicht zuletzt Wülzburg wurden vornehmlich mit ehemals zum Königshof Weißenburg gehörigem Guts- und Waldbesitz ausgestattet. Daneben verstanden es andere Herrschaften, wie die Burggrafen von Nürnberg oder vor allem die Marschälle von Pappenheim mit ihren planmäßigen Rodungen, ihre Macht immer weiter auszudehnen. Aus dem Urbar der Reichsmarschälle von Pappenheim[42] geht hervor, dass die Pappenheimer genauso wie die Klöster Wülzburg, Rebdorf, St. Walburg und das Hochstift Eichstätt mehrere Höfe oder Häuser in Weißenburg hatten. Neben dem Rebdorfer Kaster (Getreidespeicher) an der Seeweihermauer hat sich bis 1806 als pappenheimer Lehen das frühere Gasthaus zum "Weißen Roß "(zuletzt Pyraser, Bahnhofstr. 1) innerhalb der Stadtmauern gehalten. Mit dem Deutschen Orden in Ellingen erhielt Weißenburg zudem ab etwa 1200 einen neuen mächtigen Nachbarn unmittelbar vor seinen Toren.


Der Verwaltungsbezirk des Weißenburger Königshofes war also laufend vermindert worden. Übrig blieben neben der Stadt noch die Reichspflege und das Kloster Wülzburg.

Das Benediktinerkloster St. Peter und Paul zu Wülzburg wurde im zweiten Viertel des 11. Jahrhunderts gegründet.[43] Wenngleich das Kloster überregional nie ein bedeutender Machtfaktor wurde, so ist unsere Stadtgeschichte doch eng mit der des Klosters verbunden. Im frühen 15. Jahrhundert bemächtigten sich die Ansbacher Markgrafen an Stelle der Stadt mit dem Vogteirecht über das Kloster und banden dieses fest in ihr Territorium ein. Damit konnten sie über das zur Wülzburg gehörige ehemalige Augustinerinnenkloster in der Vorstadt auch den Fuß in die Reichsstadt zwängen. Mit dem 1588 begonnenen Bau der Festung an Stelle der bis auf einen Kirchturm abgebrochen Abtei brachten die Markgrafen später endgültig und weithin sichtbar ihren Machtanspruch in der Gegend zum Ausdruck.


Das um Weißenburg gelegene Reichsgut war in der „Reichspflege“ organisiert und wurde von dem königlichen Amtmann in Weißenburg verwaltet. 1534 gelangte die Reichsstadt in den Besitz der Reichspflege mit den königlichen Dörfern Rohrbach, Wengen, Biburg und Kaldorf. Als weitere Reichslehen hatte Weißenburg schon 1418 sechs Hofstätten in Oberhochstatt erworben. Zusammen mit dem Kauf der ihrem Ammann Konrad von Heideck lehenbaren Dörfer Suffersheim und Schambach um 1500 Gulden von Hans von Hausen zu Konstein im Jahre 1456 hatte die Reichsstadt damit einen begrenzten Territotialbesitz ausgebildet, der jedoch einnahmemäßig nicht stark ins Gewicht fiel.[44]

Trotz mehrerer Versuche gelang es der Stadt nicht, die pfandweise Verleihung der Reichspflege erblich zu machen. Im Gegenteil, im Jahr 1629 wurde Pfandschaft vom Reich nicht verlängert und diese an den Bischof von Eichstätt verliehen. Bei den Friedensverhandlungen zu Münster und Osnabrück gelang es der Stadt über ihre Vertreter, die Rückgabe der Reichspflege als Bestandteil des Friedensvertrages (Art 5 § 9 Unterabteilung 26 des Osnabrücker Vertrages) mit aufzunehmen. Das völlig überraschte Hochstift Eichstätt mußte die Dörfer somit wieder an Weißenburg herausgeben, was nach einigen Verzögerungen zwei Jahre später, 1651, auch erfolgte. Ein Vertrag zwischen Eichstätt und Weißenburg vom Jahr 1680 regelte dann endgültig die Frage der Reichspflege. Weißenburg trat diese mit Ausnahme des Dorfes Wengen und des Weilers Rohrbach an das Hochstift Eichstätt ab.[45]


Verwalter des Königsguts Weißenburg war ein vom König eingesetzter Amtmann, der in der Regel aus Adeligen der Umgebung gestellt wurde. Der Weißenburger Königshof wurde von einem königlichen Meier verwaltet, der in der Zeit der Stadterhebung um 1241 seine ursprüngliche Funktion in der Stadt an den Amtmann und die Bürgerschaft verloren hatte. Dieser Meier siegelt noch 1241 eine Urkunde des Weißenburger Augustinerinnenklosters[46], gleichzeitig tritt aber 1241 schon das Siegel "civitatis Wizzenburgensis", also der Stadt Weißenburg.[47]

Es gelang der aufstrebenden Bürgerschaft in der Folge, dem Amtmann eine eigene Verwaltung entgegenzusetzen. 1302 wird erstmals ein Ratsgremium genannt, 1318 erhielten sie das königliche Privileg, dass künftig nur noch ein Amtmann eingesetzt[48] werden sollte, der die Zustimmung von Rat und Bürgern erhalte und spätestens ab 1355 sind die Bürgermeister an die Stelle des Amtmanns im Ratsvorsitz getreten. Die 1377 nach harten Auseinandersetzungen zwischen den Bürgern vom Rat und den Bürgern der Gemeinde verkündete Ratsverfassung blieb mit geringfügigen Änderungen bis zum Ende der Reichsstadtzeit 1802 grundlegendes Verfassungsstatut der Reichsstadt.[49] Da Verträge damals in der Regel nach vorausgegangenen Auseinandersetzungen geschlossen wurden, lässt die als Kompromiss angelegte Urkunde vom 23. April 1377[50] vorausgegangene Unruhen in der Stadt vermuten (künftig sollen damit "aufleuf und stoezz" vermieden werden). Interessant, aber leider mangels schriftlicher Quellen nicht zu klären, wäre die Frage nach einem Zusammenhang zwischen den mutmaßlichen Unruhen in der Stadt und der zeitlich damit zusammenfallenden Erweiterung der Stadt nach Süden ab 1376. Die Annahme, dass mit der neuen Ratsverfassung von 1377 die Bürgerschaft die Patrizier aus dem Stadtregiment verdrängt hätten, lässt sich nicht endgültig beweisen, nachdem auch noch einige Jahrzehnte nach 1377 die alten Familien (wie z.B. die Riegler) in Weißenburg nachweisbar sind.

Bereits sieben Jahres später wurde der Weißenburger Rat von einer aufrührerischen Menge abgesetzt. Anlaß für die Unruhen soll vor allem die Besteuerung gewesen sein, die der Rat zur Finanzierung der öffentlichen Bauten und hier insbesondere dem Ausbau der Stadtbefestigung erhob, gewesen sein. Die alte Ordnung wurde unter Mithilfe des Schwäbischen Städtebundes, dem Weißenburg ein Jahr zuvor beigetreten war, wieder hergestellt.[51]

Stationen auf dem Weg zur Reichsstadt waren nach dem ersten Stadtsiegel und der Reichsteuerveranlagung von 1241 eine Reihe von königlichen Privilegien. 1296 und 1302 erhielt die Stadt Gerichtsprivilegien, 1316 ein Steuerprivileg, 1318 die Zusage, nur einen ihnen genehmen Amtmann zu erhalten, 1360 die Zusage, künftig nicht mehr verpfändet zu werden, und 1431 den Blutbann.

Aufgrund der ständigen Geldnot der deutschen Könige (der Stadtherren Weißenburgs) wurde die Reichsstadt wiederholt an weltliche und geistliche Fürsten verpfändet. Ebenso war z.B. bereits 1295 das Amtmannamt an die Stadt Nürnberg verpfändet gewesen.[52] Nachdem der Pfandinhaber gleichzeitig auch Stadtherr war, drohte der Selbständigkeit der Stadt daraus große Gefahr. Dies erklärt auch, warum sich Weißenburg mehrfach, so 1342 und 1360, selbst aus der Schuld löste. Gerade die unter größten Opfern erlangte Selbstauslösung von 1360 und die Bündnispolitik der Städte gaben den Weg für die volle Entfaltung Weißenburgs frei. Nachdem die Bürger keinen großen, gewinnbringenden Fernhandel betrieben, sondern von Handwerk und Landwirtschaft lebten, waren diese Opfer besonders schwer. Zudem beteiligten sich das Kloster Wülzburg und sein Spital mit ihren Untertanen in der Stadt nicht an der Aufbringung der Summe[53]


Reichsstädtische Blütezeit

Im 14. und 15. Jahrhundert erlebte Weißenburg eine knapp 200 Jahre währende Blütezeit. Der Ausbau der Königshofkapelle (Weihe der Andreaskirche 1327), die Gründung des Karmeliterklosters durch Heinrich von Heideck 1325 und vor allem die Schenkungen Kaiser Ludwig des Bayern markieren den Beginn dieser Zeit. Letzterer hatte der Stadt 1338, wohl als Entschädigung für die vorangegangenen Verpfändungen in den Jahren 1315, 1325 und 1330, den großen Stadtwald[54] und 1347 den Steinbruch bei Höttingen geschenkt. Der Stadtwald, durch eine Schenkung Karls IV. 1350 noch ergänzt, bildete jahrhundertelang den wichtigsten Wirtschaftsfaktor der Stadt. Holz wurde als Baumaterial, die Rinde für die Gerberei und der Wald selbst für die Eichelmast der Schweine verwendet. Anlaß zu ständigen Querelen bildete der Umstand, daß die Pappenheimer seit 1334 das Jagdrecht im Weißenburger Wald ausübten.

Weitere Höhepunkte waren dann die Erweiterung der Stadtbefestigung nach Süden ab 1376, womit das Stadtgebiet annähernd verdoppelt wurde und der folgende Bauboom. Wirtschaftliche Grundlage hierfür war das 1372 bewilligte Recht zur Erhebung eines Ungelds von Bier, Wein und anderen Getränken.[55]

Noch lange im 15. Jahrhundert wurde an der Stadtbefestigung gebaut. Gleichzeitig aber wurden Großprojekte wie die Vergrößerung der St.-Andreaskirche (Hallenchor 1425 geweiht, Baubeginn des Ostturms 1459), der Bau des Spitals mit der Spitalkirche (gestiftet 1447, Langhaus und Chor laut dendrochronologischen Untersuchungen des Dachstuhls nach 1458 bzw. 1493 vollendet) und der Bau des Gotischen Rathauses (1470 – 1476) angegangen.

Gerade das Gotische Rathaus im Schnittpunkt der Hauptplätze der Stadt (Marktplatz, Holzmarkt) dokumentiert eindrucksvoll den Willen der Stadtväter zur repräsentativen Selbstdarstellung. Zwei prachtvoll gestaltete Schauseiten blicken nach Osten und Süden auf die beiden großen Marktplätze.


Außenpolitisch ist diese Zeit noch von einem selbständigen Agieren des Weißenburger Rats markiert.[56] Bereits 1344 schloß sich Weißenburg mit Würzburg, Windsheim und Nürnberg zu einem Schutzbündnis zusammen. Auch in der Folgezeit nahm Weißenburg an fränkischen und schwäbischen Städtebündnissen und Landfriedenseinungen teil.[57] Allerdings geriet die Stadt damit auch in den Sog der Markgrafenkriege ab 1449, in dessen Verlauf Weißenburger Bürger unter Führung von Tristram Zenner im Sommer 1449 das Kloster Wülzburg[58] stürmten, weshalb über die Stadt und ihre Bürger der Kirchenbann verhängt wurde. Auf Grund eines 1452 geschlossenen Vergleichs mußte die Stadt dem Kloster 400 Gulden Entschädigung zahlen und dem Markgrafen als Schutzherrn des Klosters nochmals 200 Gulden.[59]


Die Gründe für diesen rasanten Aufstieg sind bislang noch kaum untersucht worden. Das übertriebene Repräsentationsstreben des Rats ist sicherlich in dem erfolgreichen Verdrängen des königlichen Amtmanns aus der städtischen Verwaltung begründet. So ist es schon auffällig, dass die Stadterweiterung (1372) erst dann beginnt, als die Bürgermeister endgültig die Stelle des Amtmanns im Ratsgremium übernommen haben. Unklar ist, aus welchen Quellen die Ratsherrn ihre Bauprojekte finanzierten. Neben dem Ertrag des Ungelds finanzierten die Ratsherrn ihre Projekte durch die Aufnahme von Darlehen, die dann ausuferten, als zur Deckung der Zinszahlungen immer neue Kredite notwendig waren. Man darf nicht vergessen, daß die Stadt in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts mehrfach verpfändet gewesen war. Hierbei hat sie sich nachweislich in den Jahren 1342 und 1360 selbst aus der Pfandschaft gelöst, eine beachtliche finanzielle Leistung der Stadt.

Bei den kirchlichen und sozialen Bauten unterstützten private Stiftungen die finanzielle Ausstattung. Es ist für das mystische Weltbild des mittelalterlichen Menschen kennzeichnend, dass man sein himmlisches Leben durch großzügige Stiftungen im irdischen Leben vorfinanzieren konnte. In mehreren Schenkungsurkunden für das neue, bürgerliche Spital[60] wird als Gegenleistung für die übertragenen Vermögenswerte stets die Abhaltung von Messen für das Seelenheil der Stifter gefordert.


Die Ratseinung von 1377 und der damit zeitlich verbundene allmähliche Rückzug der alten Patrizierfamilien aus der Stadt verhinderten dann die kontinuierliche Weiterentwicklung. Anders als vergleichsweise in Nürnberg bestimmten die nun dominierenden Handwerker- und kleinen Kaufmannsfamilien die Politik der Stadt. Es fehlten die so wichtigen überregionalen Beziehungen und es fehlte vor allem das große Kapital in der Stadt, sieht man einmal von dem Finanzmakler Peter Steinberger ab. Dieser entstammte einer alten Weißenburger Familie, zog aber 1416 endgültig nach Nürnberg. Seine Familie besaß ausgedehnten Besitz um Weißenburg, wie etwa den großen und kleinen Zehenten zu Trommetsheim oder die Forsthut auf dem Weißenburger Wald. Peter Steinberger selbst kaufte im Jahr 1408 den Weiler Haardt.[61]

Die im Vergleich eher kleinbürgerlichen Weißenburger Ratsherren mußten bei ihrem Versuch, mit den großen Städten gleichzuziehen, zwangsläufig scheitern.

Immerhin haben sie nicht nur öffentliches Geld verbaut. Einige der bis heute im Stadtbild zu den dominierenden Bauten zählende Bürgerhäuser entstanden in dieser Zeit, wie etwa das Anwesen Staudinger (Marktplatz 3, 1346), das heutige Gasthaus Goldener Stern (Luitpoldstraße 16, 1315), die Goldene Krone (Rosenstraße 10, 1365/66) oder die "Andreasstuben" (Rosenstraße 18, 1396).


Als Zwischenglied zwischen Rat und Bürgerschaft fungierten die Hauptleute oder Viertelmeister der 28/26 Viertel der Stadt. Neben militärischen und fiskalen Aufgaben waren sie vor allem für die Weitergabe der Ratsbeschlüsse an die Bürger und umgekehrt als Sprecher ihres Viertels vor dem Rat zuständig. Die Einteilung der Stadt in Viertel ist seit dem Jahr 1414 belegt. Waren es anfangs 20 Viertel in der alten Stadt und 8 in der "Vorstadt", der Stadterweiterung ab 1376, so wurde die Einteilung ab dem 16. Jahrhundert auf 18 / 8 reduziert. Nach dem Ende der Reichsstadtzeit wurde diese alte Vierteleinteilung aufgegeben und die Stadt 1808 in 6 Distrikte eingeteilt (Hauptmarkt, Holzmarkt, Schrannenplatz, Rosenbühlplatz, Bleichplatz, Schanzplatz), bereits 1804 wurden unter preußischer Verwaltung Hausnummern (von 1 bis 499) eingeführt.[62]


Mit dem Ende des 15. Jahrhunderts kam auch das Ende der Weißenburger Blütezeit. Selbst der geschenkte Steinbruch und die 1442 zur finanziellen Unterstützung gewährte Verdoppelung des Ungeldes, einer Getränkesteuer, aus der v.a. die Stadterweiterung finanziert werden sollte[63], konnten den Zusammenbruch der Stadtfinanzen nicht verhindern. Die enormen Ausgaben einerseits, schlechte Finanzwirtschaft bis hin zur Unterschlagung andererseits, gelten als die Ursachen eines beispiellosen Finanzskandals in der städtischen Geschichte. Als sich die Zahlungsunfähigkeit nicht mehr verbergen ließ,[64] enthob der Kaiser mit Mandat vom 22. September 1481 Bürgermeister und Rat und setzte diese unter Konfiszierung ihrer Güter ins Gefängnis. [65] Einige Räte sollen dort auch gestorben sein. Eine kaiserliche Kommission untersuchte die Finanzlage und der neu eingesetzte Rat nach Lösungsmöglichkeiten. Sogar eine freiwillige Aufgabe der Reichsfreiheit und eine Unterwerfung unter die Markgrafen[66] wurden diskutiert. Mit Unterstützung des Kaisers gelang es schließlich, die Gläubiger zu befriedigen und die Schuldenlast zu senken.[67]

Als Symbol für den Neuanfang steht das von Friedrich III, 1481 verliehene neue Stadtwappen, das mit dem Reichsadler vor allem die Zugehörigkeit zum Reich verdeutlicht. Allerdings verlor die Reichsstadt in dieser Zeit auch große Teile ihrer außenpolitischen Bewegungsfreiheit und gelangte in starke Abhängigkeit zur Stadt Nürnberg.[68]


Reformation

Einmal noch, auf dem Augsburger Reichstag von 1530, sollte die Reichsstadt an der großen deutschen Geschichte teilhaben, wenn auch die unsicher agierenden Vertreter aus Weißenburg dort mehr von Nürnberg in die Mitunterzeichnung der von Philipp Melanchthon verfaßten „Confessio Augustana“ gedrängt wurden.[69] Diese offene Rebellion gegen den Stadtherrn ist um so erstaunlicher angesichts der nur dank kaiserlicher Hilfe in den vorangegangenen Jahrzehnten überwundenen Finanzkrise.

Bereits ab 1524 war in Weißenburg evangelisch gepredigt worden und schon 1528/29 wurde eine neue, nun lutherische Kirchenordnung erlassen. Die Ablehnung des vom Kaiser vorgelegten Reichstagsabschiedes 1530 und der Anschluß an die „Protestanten“ unter Führung des Kurfürsten von Sachsen am 21. Juli 1530 in Augsburg ließ sich der Weißenburger Rat allerdings von seinen Bürgern nochmals bestätigen. In einer Bürgerversammlung vom 15. November 1530 in der St. Andreaskirche billigten die Bürger in überwältigender Mehrheit (454 gegen 7) die Vorgehensweise des Rats und bekannten sich zum neuen Glauben. Restitutionsversuche der Reichsgewalt im Schmalkaldischen Krieg waren erfolglos, doch brachte auch der Augsburger Religionsfriede von 1555 der Stadt nicht die volle Kirchenhoheit. Das Patronatsrecht der Andreaskirche erhielten die Markgrafen von Ansbach als Nachfolger des Klosters Wülzburg.[70]


Der Bauernkrieg um Weißenburg

Eine unmittelbare Folge der Reformation waren auch die Bauernkriege in Deutschland.[71]

Die Reformation bezeichnete die grundherrlichen Lasten (Abgaben der Bauern an ihre Lehensherren) als "ungöttlich", nachdem sie in der Hl. Schrift nirgends erwähnt sind. Dies führte 1525 zur Ausbildung einer großen Bauernbewegung mit einem eigenen Aktionsprogramm (12 Artikel). Die Niederschlagung erfolgte durch Truppen des Adels im Sommer 1525.

In der unmittelbaren Umgebung Weißenburgs war besonders das Hochstift Eichstätt betroffen. In den Monaten Mai und April 1525 erreichte der Konflikt seinen Höhepunkt mit der Bildung des 8.000 Man starken "Mässinger Haufens". Ohne eigene, lokale Forderungen zu formulieren, übernahmen die Aufständischen die "Zwölf Artikel". Als ihre Verhandlungen – mit Ausnahme des Eichstätter Bischofs traten alle betroffenen Herren unseres Raumes in Verhandlungen mit den Aufständischen – scheiterten, zerstreute sich der Haufen im Anblick der aus Neumarkt herannahenden Truppen des Pfalzgrafen Friedrich von Pfalz Neuburg.

Die Reichsstadt Nürnberg und die ihrem Sog folgende Reichsstadt Weißenburg nahmen in den Verhandlungen eine Sonderrolle ein, die beide fälschlicherweise in den Verdacht brachten, mit den aufständischen Bauern zu paktieren. Belegt ist, daß ein erheblicher Teil der Bürger beider Städte mit den Bauern sympathisierte bzw. sich ihnen anschloß. Auch schlossen sich die Bauern in der "Weißenburger Reichspflege" (vier Dörfer auf der östlich der Stadt gelegenen Jurahochfläche) dem Mässinger Haufen an. Dadurch waren die Magistrate beider Städte, die dem Aufstand ablehnend gegenüberstanden, zu einem vorsichtigen Taktieren gezwungen.[72]

Der Dreißigjährige Krieg

Die Betrachtung des Dreißigjährigen Krieges und seiner Folgen für Weißenburg ist ohne einen kurzen Blick auf die Festung Wülzburg nicht möglich. Anstelle des säkularisierten Klosters hatte Markgraf Georg Friedrich von Ansbach dort ab 1588 eine nach neuesten Erkenntnissen gestaltete Artilleriefestung erbauen lassen. Die von der Reichsgewalt durchaus als rechtmäßig anerkannten Widerstände der benachbarten Fürsten (der Deutsche Orden in Ellingen, die Marschälle von Pappenheim, Fürstbischöfe von Eichstätt und die Reichsstadt Weißenburg), tat der Markgraf unter Hinweis auf das Recht des Stärkeren ab.

Es gehört zur Ironie der Geschichte, dass die Festung, deren Bau Weißenburg zu verhindert versucht hatte, in der Hand eines evangelischen Fürsten in dem Glaubenskrieg jetzt eigentlich zur Unterstützung der ebenfalls evangelischen Reichsstadt hätte beitragen sollen, in der Hand des katholischen Kriegsgegners zur Achillesferse in unserem Raum wurde. Immerhin kann man feststellen, daß die bis etwa 1610 vollendete Festung ihre Funktion voll erfüllte. Sie konnte trotz schwerster Belagerung und Bedrängung nie eingenommen werden.

In den ersten Kriegsjahren war unser Raum von den Kriegsereignissen zunächst nur am Rande betroffen. Belastungen brachten höchstens die Einquartierungen und Kontributionsleistungen. Erst nach der Landung des Schwedenkönigs 1632 wurde Franken zum Kriegsschauplatz. Die markgräfliche Familie, die sich vor den heranziehenden Katholischen Truppen unter ihrem Feldherr Tilly auf die Wülzburg geflüchtet hatte, räumte am Weihnachtsabends 1631 kampflos die Festung, nachdem Tilly bei einer Weigerung mit der Verwüstung des markgräflichen Landes einschließlich der Residenzstadt Ansbach gedroht hatte. Bis zum Jahr 1649 blieb sie in kaiserlicher Hand. Weißenburg selbst wurde mehrmals abwechselnd von kaiserlichen und schwedischen Truppen belagert, eingenommen und besetzt. In den Jahren 1632 bis 1634 litt die Stadt besonders unter der ligistischen Wülzburger Garnison, welche jeden Feldbau und Nachschub für die Stadt verhinderte. In dieser Zeit sollen an Hunger und Seuchen ein Drittel der Einwohner Weißenburgs gestorben sein. Dies geht aus einer nach Ende des Dreißigjährigen Krieges erstellten Schadensauflistung hervor, die insgesamt die Summe von über 800.000 Gulden errechnet.[73]

Die letzte große Belagerung um den Jahreswechsel 1646/47 brachte für den Baubestand der Stadt erhebliche Verluste. Am 4. November 1646 hatten zwei schwedische Regimenter die Stadt besetzt und schon wenige Tage später berannten rund 1500 Mann Kavallerie die Verteidiger. Die Stadt wurde einem ausgedehnten Beschuss (z.T. mit Brandkugeln) unterzogen und die Stadtbefestigung an mehreren Stellen sturmreif geschossen. Zeitgenössische Quellen berichten von 5568 Kanonenkugeln, darunter 104 Feuerbälle und Granaten zu 50-60 Pfund sowie 400 glühende Kugeln. Erst ein Frosteinbruch, der den Seeweiher zufrieren ließ und damit beste Angriffsmöglichkeiten bot, veranlaßte die Verteidiger am 20./21. Januar 1647 zur Aufgabe.[74]

Die oben erwähnte Schadensauflistung faßt am Schluß für die "10 belager-, 7 erober- und 3 totalblünderungen" als Ergebnis zusammen: "... Dahero man nicht allein die reparirung der ruinirten mauren, abgebrantten 3 stadtthoren, eingeschoßen und demolirten 32 thürmen, 62 eingerißener heußer, 24 in die aschen gelegter scheunen, nebens denen auch eingeäscherten Seel-, Lazareth- und Siechheusern, Ziegelhütten und 13 mühlen..." [75]

Die Belagerungen, verbunden mit Pestwellen, dezimierten den Einwohnerstand auf nahezu die Hälfte. Die Baulücken der Stadt wurden teilweise erst Jahrzehnte später geschlossen.[76] Die Lücken in der Bürgerschaft schlossen Glaubensflüchtlinge (Exulanten) aus den österreichischen Landen, die sich ab 1650 in der Stadt niederließen.[77]


Barockes Weißenburg

Es dauerte lange, bis nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges wieder genügend Kapital angesammelt war, um sowohl im privaten wie im öffentlichen Bereich wieder Investitionen zu tätigen. Erste Bauarbeiten für die Stadttore sind ab 1662 nachweisbar, am Saumarkt 1675. Das Einwohnerverzeichnis von 1688 nennt bei 2343 Einwohnern noch immer 29 leerstehende oder abgebrannte Häuser.[78]

Zum Motor für die Wirtschaft wurde die Leonische Industrie, die sich vor dem Dreissigjährigen Krieg in Weißenburg etablierte und die Stadt dabei zu einem Zentrum der Tressenweberei machte. In Verbindung mit dem Verlagswesen, d.h. der Ausgabe von Arbeit an andere Bortenmacher in Lohnarbeit, erreichten manche der Unternehmerfamilien enormen Reichtum. Als der Fabrikant Georg Zacharias Roth im Jahr 1792 starb, hieß es von ihm, er „sei vielleicht der reichste Mann, der je hier gewesen; mit geringem Anfang hatte er wohl 2 Tonnen Goldes erworben.“[79] In der von ihm gegründeten und zur Blüte gebrachten Firma waren 1804 etwa 300 Arbeiter beschäftigt.

Im öffentlichen Bereich markieren die Barockisierungen der Spitalkirche und der Karmeliterkirche im Jahr 1729 eine blühende Wirtschaft. Bereits vor den Kirchen hatten auch einige private Bauherren im barocken Stil gebaut. Ein Gang durch die Stadt zeigt vor allem an den Hauptplätzen und –straßen der Stadt eine Vielzahl barocker Neu- oder Umbauten. Eindrucksvoller Beleg dieser Zeit ist das Manufakturgebäude an der Rosenstraße („Blaues Haus“, 1764/65). Es ist fraglich, ob die Schäden des Dreißigjährigen Krieges diese Neu- und Umbauten erforderten. Nachdem die neuen, barocken Fassaden überwiegend im alten, nördlichen Stadtkern ausgebildet wurden, scheint eher der Zeitgeschmack und das Vorhandensein des notwendigen Kapitals die Ursache gewesen zu sein. Wer es sich leisten konnte, und dies waren die vor allem die Bierbrauer und die neu aufgekommenen leonischen Fabrikanten, der konnte seinen Wohlstand nun auch durch moderne Architektur nach Außen zeigen. Das Gefälle zu den Ackerbürgerhäusern in den Randbereichen der Stadt wurde damit noch größer.

Interessant ist hier überhaupt ein Blick auf die Steuerkraft der einzelnen Wohnquartiere der Stadt. Dies läßt sich am einfachsten aus den nach Stadtvierteln geführten Steuerlisten ablesen. Für das Jahr 1688 hat Friedrich Blendinger in seiner Auswertung der Einwohnerlisten bereits wertvolle Vorarbeit geleistet.[80] Er ermittelte als Ergebnis eine Gesamtzahl von 2343 Bürgern (1106 Männer und 1168 Frauen) und 69 Beisitzern (ohne Bürgerrecht). Die von ihm aufgeführten Zahlen zu den einzelnen Vierteln konnten übernommen werden und wurden durch die in der Steuerschätzung vom 14. September 1687[81] angegebenen Häuser ergänzt. Die Steuerschätzung ergibt für die Stadt, einschließlich der außerhalb der Stadtmauer gelegenen Häuser (und ohne die städtischen und kirchlichen Gebäude) einen Gebäudebestand von 334 Häusern und lediglich 10 Städel. Der geringe Bestand von 10 Städel könnte durchaus noch eine Folge des Dreißigjährigen Krieges sein. Zum Vergleich dazu ergibt die erste Hausnummernliste von 1804 immerhin schon 418 Häuser und 120 Städel.

Das Ergebnis zeigt als das eindeutig finanzkräftigste Stadtviertel das 9. Viertel im westlichen Bereich des Marktplatzes. Erwartungsgemäß folgen mit dem 4., 8. und 3. Stadtviertel diejenigen in exponierter Lage (das 26. Viertel mit den hier eingerechneten Mühlen außerhalb der Stadt kann für diesen Vergleich nicht herangezogen werden). Bei der Auswertung der Steuerschätzung fiel besonders auf, dass die reichsten Männer der Stadt Bierbrauer waren. An der Spitze der Steuerzahler steht mit Bürgermeister Johann Wolfgang Lorenz Hiller folglich auch ein Bierbrauer und Gastwirt (im "Blauen Haus" an der Rosenstraße) mit einem geschätzten Vermögen von 4472,30 Gulden.

Aus der Grafik lässt sich neben einem Gefälle zwischen nördlicher und südlicher Stadt auch ein Gefälle zu den Randbezirken im alten Stadtkern (1., 5. und 6. Viertel) erkennen. Das ebenfalls recht gering angesetzte 11. Viertel ergibt sich aus der dortigen Konzentration von kirchlichem Grundbesitz; für die Geistlichen und Lehrer in den städtischen und kirchlichen Häusern fiel keine Grundsteuer an.


Innenpolitisch war das späte 17. und 18. Jahrhundert geprägt von einem langjährigen Streit zwischen Teilen der Bürgerschaft („Impetranten“) und dem Rat („Impetraten“). Auslöser des Streits war die mehrmalige Aussetzung von Ratswahlen seit dem Dreißigjährigen Krieg. Ein Teil der Bürgerschaft reichte unter dem 21. Februar 1692 eine Beschwerdeschrift gegen den Rat beim Reichshofrat in Wien ein. Der Streit weitete sich aus. Persönliche Vorwürfe gegen einzelne Räte, v.a. den Syndikus Johann Wolfgang Heberer, waren ebenso Themen wie die engen verwandtschaftlichen Beziehungen im Rat, die Verschwendung öffentlicher Gelder oder gar wirtschaftliche Mißstände (hier v.a. im Bereich der Hospitalstiftung). Durch eine Entscheidung des Reichshofrats von 1694 sollte der Streit eigentlich beendet sein, aber die impetrantische Bürgerschaft ließ nicht locker und so brach der Streit auch im 18. Jahrhundert immer wieder auf. Faktisch beendet wurde er erst durch das Ende der Reichsstadtzeit 1802.[82]


Stadtviertel
zu versteuerndes
Vermögen 1687
Einwohnerzahlen 1688
(nach Blendinger)
Häuser
1687
1
4394,3
80
12
2
7167,3
111
14
3
8067,3
96
15
4
10737,3
86
9
5
4208,45
62
9
6
5295
79
12
7
8702,3
116
19
8
9482,3
105
12
9
13063,15
84
12
10
8380
89
11
11
1847
18
6
12
5460
112
17
13
3775
82
15
14
5932
99
12
15
6185
92
12
16
4572,3
63
11
17
7783
122
19
18
6637
128
10
19
5469,3
74
15
20
3647,3
58
11
21
3706,3
86
12
22
1874,3
52
8
23
3564,3
83
12
24
5208
104
16
25
5560
85
11
26
10117
177
22
Summe:
160835,2
2343
334

Das Ende der Reichsstadtzeit

Die städtische Politik war seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bestimmt von einer Gratwanderung zwischen der Abwehr ansbachischer Zugriffsversuche[83] einerseits und der zunehmenden Abhängigkeit von der Reichsstadt Nürnberg andererseits.

Dieses lange Zeit dann doch ganz stabile Gleichgewicht verschob sich nachhaltig, als der letzte Ansbacher Markgraf Alexander die Markgraftümer Ansbach und Bayreuth an seine Berliner Verwandten verkaufte und 1792 die Preußen in Ansbach einzogen. Der leitende Minister von Hardenberg, der mit seinen Reformen innerhalb kurzer Zeit eine gut funktionierende, effektive Verwaltung schuf, begann sehr schnell damit, die preußischen Hoheitsrechte in Franken zu konsolidieren und zu erweitern. Schon bald standen preußische Hoheitszeichen unmittelbar vor den Stadttoren. 1796, als durch heranziehende französische Truppen große Gefahr für die Stadt drohte, unterstellte sich die Stadt aus strategischen Erwägungen dem Schutz des Preußenkönigs.[84] Damit wäre die alte Reichsstadt eigentlich schon zur preußischen Stadt geworden, allein Hardenberg hielt die Zeit noch nicht für reif und entließ die Stadt, nachdem die akute Gefahr vorüber war, wieder in ihre alten Rechte.

Es sollte aber nicht mehr lange dauern, denn schon am 9. September 1802 traf ein kurbayerischer Kommissar in Weißenburg ein und nahm die bisherige Reichsstadt für seinen Herrn in Besitz. Dem bayerischen Kurfürsten waren diese und andere fränkische Gebiete nach dem Friedensvertrag von Luneville als Entschädigung für die an Frankreich verlorenen linksrheinischen Gebiete zugesprochen worden. Die jahrhundertelange Tradition als freie Reichsstadt war damit vorbei.

Durch den Hauptlandesvergleich zwischen Bayern und Preußen kam Weißenburg zwischen 1804 und 1806 erneut unter preußische Herrschaft. Belegt sind in dieser kurzen Episode Verwaltungsreformen, wie etwa die Abschaffung des alten Rats und die Etablierung neuer Gremien. Auch die erstmalige Einführung von Hausnummern (1804) geht auf dieses preußische Intermezzo zurück.

Ab 1806 sind für Weißenburg die Durchführung der Verwaltungsreformen des leitenden bayerischen Ministers von Montgelas zu verzeichnen, die in der Schaffung eines Zweikammersystems mit dem von der Bürgerschaft gewählten Kollegium der Gemeindebevollmächtigten und dem von diesem wiederum für die laufende Verwaltung bestimmten Magistrat ihr sichtbares Zeichen fanden. Abgewickelt wurden in dieser Zeit neben einer recht willkürlichen Aufteilung des städt. Urkundenarchivs[85] auch die Eigentumsauseinandersetzung zwischen städtischem, kirchlichem und staatlichem Besitz.

Aus der ehemals stolzen Reichsstadt war innerhalb kurzer Zeit eine unbedeutende, königlich bayerische Provinzstadt geworden. Als äußerliches Zeichen wurde der Reichsadler im Stadtwappen entfernt und durch ein einfaches „W“ ersetzt.[86]

Nach der Auflösung von Stadtgericht und Polizeikommissariat 1809 wurde Weißenburg in der nach Einwohnerzahlen gegliederten Gemeindesystematik als Stadt II. Klasse eingestuft und erhielt damit einen Magistrat und ein Kollegium der Gemeindebevollmächtigten als Gemeindeorgane.[87]


Trennung von reichsstädtischem und Kirchenvermögen

Mit dem Übergang an Bayern und dem Verlust der Reichsfreiheit – und damit auch der Kontrolle des Stiftungs- und Kirchenvermögens – wurden die Besitzverhältnisse in der Stadt völlig neu definiert. Nach Auflistung des Besitzstandes wurde das Städtische Grundvermögen von dem des Staates und der Stiftungen getrennt.


Das Stiftungsvermögen war zwar schon zur Reichsstadtzeit von dem Städtischen Vermögen getrennt, es standen aber beide, wenn auch mit eigenen Verwaltern, unter der Verwaltung des Magistrats. Auf der Grundlage einer Urkunde, ausgestellt von Bürgermeister und Rat am 25. Mai 1445, wurden jedoch im Notfall das Vermögen gegenseitig zur Deckung herangezogen.[88]

Die "geistlichen Ämter", so die Stadtverwaltung in einem Bericht an die Kreisregierung im Jahr 1812, wurde ab diesem Zeitpunkt sehr häufig von dem "weltlichen Amte" herangezogen, die Unterstützungen "waren vielfältig und beträchtlich".[89]

Die Stiftungen suchten sich ihrerseits abzusichern, indem sie bei Krediten an Bürger sich Hypotheken (Ewiggelder) zu 5 % Jahreszins auf deren Häuser eintragen ließen; dies führte zu einer Verringerung der städtischen Einnahmen, da die Bürgersteuer nach der Höhe des Vermögens (unter Abzug von Hypotheken) berechnet wurde.

Weiter heißt es in dem Schreiben von 1812, wenn ein Mauerturm renoviert werden musste und die Stadt dazu kein Geld hatte, so bestritten die Stiftung "die Restaurationskosten, nahm das Gebäude in fortwährende Unterhaltung, zog aber auch den Nutzen davon und nimmt nunmehr alle dergleichen Gebäude als vollkommenes Eigenthum in Anspruch".

Gleiches gilt auch für die 10 Kramladen und die Brotscharre im Parterre des Rathauses.

Aus diesem Grund wurden bei der Ausscheidung des Stiftugnsvermögens der neugebildeten Stiftungsadministration (zunächst in Roth) nicht weniger als 16 Stadtmauertürme zugesprochen. Auffällig ist dabei, dass es sich bei diesen Stadtmauertürmen ausschließlich um solche an der Stadterweiterung ab 1376 handelt.


Von der Stadt wurde, zur Deckung der Kriegskosten, bereits im Jahr 1801 eingies aus Gemeindebesitz verkauft.[90]

1. "Die untere Stadtmühle nebst der dabei befindlichen Seeg- oder Schneidmühl mit Zugehör," incl. dem Spitalweiher und den angrenzenden Gärten

2. "Die obere Stadtmühle incl. des im obern Stock befindlichen auf den Zwinger herausgehenden Stübchens, mit dem dabei befindl. Weiher der Küpferling genannt und der nicht weit davon entfernten Weißgerberwalck und Pfeffermühl".

3. "Die Ziegelwirthschaft mit dem darneben befindlichen Syndicatur-Gärtlein"


Ebenfalls 1801 wurden große Teile des Stadtgrabens an Privatleute verkauft,[91] dazu der Wäschgraben, ein Weiher, "der lange Graben genannt, circa 370 Schritt lang", ein Weiher, "das Heubergerlein genannt, circa 150 Schritte lang"[92]

Weißenburg im 19. Jahrhundert

Die Geschichte Weißenburgs zwischen der Verfassung von 1818, mit der die Gemeindebildung im Königreich abgeschlossen wurde und dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 läßt sich grob in zwei Abschnitte gliedern. Die erste Hälfte dieser Periode ist gekennzeichnet von politischer Bedeutungslosigkeit und wirtschaftlicher Stagnation, die andere dagegen von einem allgemeinen Aufschwung.


Den Sturz von der Freien Reichsstadt, auch wenn sie als solche nicht sehr bedeutend war, in die bayerische Provinzstadt haben die Weißenburger lange Zeit nicht verkraftet. Nicht einmal kreisfreie Stadt war man geworden und zu allem Überfluß wurde das eigentlich für Weißenburg vorgesehene Landgericht dann auch noch[93] nach Ellingen verlegt.

Noch knapp 40 Jahre später schrieb der damalige rechtskundige Bürgermeister August Fleischmann[94] am 11. August 1856 in einem von Enttäuschung gezeichneten Rückblick:[95]

"... Obwohl Weissenburg in dem Reichsdeputationsrezesse von 1803 unter den Staedten aufgezählt ist, welche für alle Folge zu den „meistprivilegirten“ gehören sollten und obwohl diese Zusage der Stadt bei ihrem Uebergang an die Krone Bayern anno 1806 wiederholt gemacht wurde, so hat sie doch leider trotz vielfacher Petitionen bisher nicht die ihr gebührende unmittelbare Stellung unter die königliche Kreisregierung erlangen koennen, während diese Vergünstigung nicht nur anderen ehemals reichsunmittelbaren Staedten, wie Rothenburg, Noerdlingen, Nürnberg etc. etc., sondern auch anderen zum Theil viel kleineren Staedten, wie Donauwörth, Lindau etc. etc. gemacht wurde.

Weissenburg ist überhaupt von je bei allen wichtigeren Fragen der Zeit in auffallender Weise zurückgesetzt worden, namentlich auch bei Führung der Eisenbahn. Die schoene und günstige Lage der Stadt für Gerichtssitze wird ihr dermalen kaum zu einem Bezirksgerichte bei der bevorstehenden Gerichtsorganisation verhelfen, und doch hängt die Zukunft der Stadt, deren Frequenz durch die neuen Handelsstrassen so sehr verloren hat, davon ab, daß auf andere Weise der Verkehr belebt werde.

Ein Glück wird es sein, wenn Weissenburg in der Folge nicht auch noch den Sitz des königlichen Landgerichts verliert, den ihm Ellingen, der Sitz des Fürsten von Wrede, streitig macht. Der Katholizismus spielt eine bedeutende Rolle und ist allenthalben im Königreiche bevorzugt. Nebst dem Landgerichte hat Weissenburg zur Zeit ein königliches Rentamt, ein koenigliches Physikat, ein koenigliches Decanat, einen koeniglichen Geometer und eine koenigliche Aufschlagsstation, dann eine koenigliche Lottocollecte. ..."


Gerade Bürgermeister Fleischmann war es, der mit großem persönlichen Engagement für Weißenburg eine Wende schaffte. Mit der Verleihung der Kreisfreiheit und dem Bau des Gaswerks am der Holzgasse (1863), dem Neubau der Schranne[96] (1863/64, An der Schranne 12), dem Anschluß Weißenburgs an die Bahnlinie[97] (1869), dem Wildbad (1869, Wildbadstr. 11), der Realschule (1875, Wildbadstr. 19), der Städtischen Turnhalle (1878/79, Bortenmachergasse) und dem Städtischen Krankenhaus (1884) wurden in seiner Amtszeit die Grundlagen für die Entwicklung Weißenburgs zu einer leistungsfähigen, modernen Stadt gelegt. Begünstigend wirkten sich natürlich die nach dem gewonnenen deutsch-französischen Krieg von 1871 geflossenen Reparationszahlungen aus, die nach der Reichsgründung einen großen Wirtschaftsboom auslösten. Auch in Weißenburg kam es zu einer Welle von Firmengründungen, v.a. im Bereich der leonischen Industrie.[98]

Ein besonderes Ereignis dürfte für Bürgermeister Fleischmann wie für viele Weißenburger der Kauf der 1869 als Festung aufgelassenen Wülzburg[99] im Jahr 1882 gewesen sein, die einst (1588) unter heftigem Protest der schwachen Reichsstadt von den mächtigen Ansbacher Markgrafen gebaut worden war. Obwohl ein großer Teil des Kaufpreises von 14.000 Mark durch den Abbruch der Innenbebaung und den Verkauf als Baumaterial wieder in die städtischen Kassen zurückfloß, waren es scheinbar doch beinahe sentimentale Gründe gewesen, welche die Stadt zum Kauf veranlaßt hatten. Der "wegen ihres geschichtlichen und politischen Zusammenhangs mit der Stadt erwünschte Fortbestand" der Wülzburg sollte mit dem Kauf gesichert werden.[100]

Die Weißenburger Bürger selbst schwelgten immer noch in der Erinnerung an einstige, reichsstädtische Größe. So urteilt Dr. Schrader in seinen "Physikatsberichten" um 1860:[101]

"Der Weißenburger ist stolz auf das von seinen Eltern ererbte Vermögen und schwelgt in reichsstädtischen Reminiszensen, war viel von Gewerbsgütern begünstigt, und wer nicht so glücklich ist, die ehemalige Reichsstadt als seine Geburtsstadt bezeichnen zu können oder durch eheliche Verbindung den Eingeborenen näher gestellt ist, der ist und bleibt lange Zeit fremd und wird nicht leicht seines Vertrauens gewürdigt, auch wenn er an Intelligenz ihn weit übertrifft. Einen sprechenden Beweis hievon liefern die Wahlen der Bürger zu Gemeindebevollmächtigten und zu Magistratsräten im heurigen Jahre. Nicht leicht werden Ehen mit Auswärtigen geschlossen, es müßten denn finanzielle Interessen überwiegen und die Vorurtheile besiegen."

Weißenburg zwischen den Weltkriegen

Nach der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 übernahmen Unabhängige und Mehrheitssozialisten im Rat der Volksbeauftragten die Reichsgewalt. Auch in Weißenburg wurde, wie in vielen anderen Städten, bereits einen Tag nach Ausrufung der Republik, also am 10. November, ein Arbeiterrat aus Mitgliedern der Mehrheitssozialisten ins Leben gerufen. Am 12. November wurde dieser zum Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat (ASB-Rat)[102] erweitert.


Auf Anregung von Bürgermeister Lober[103], vielleicht nur, um einem Ausschluß des Magistrats von der politischen Verantwortung zuvorzukommen, beschlossen Magistrat und Gemeindekollegium die Wahl eines aus fünf Mitgliedern bestehenden Bürgerrats, der mit dem ASB-Rat zusammenarbeiten sollte. Seine Aufgabe sollte vor allem die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung sein. Der Arbeiterrat drängte anschließend vehement auf Mitgliedschaft im Stadtmagistrat, dem der Magistrat zunächst nachgab und dem ASB-Rat dafür eine Erhöhung seiner Mitgliederzahl von acht auf zehn anbot. Mit Entschließung vom 14. November 1918 gestattete das Bayer. Innenministerium sogar die Aufnahme von Arbeiterräten in den Magistrat, widerrief dies aber schon wenige Tage später. Mit dieser Vorgabe lehnte der Magistrat dann am 9. Dezember einen erneuten Aufnahmeantrag der Räte mit 5 : 3 Stimmen ab. Der Magistrat blieb das bestimmenden Gremium in der Stadt.

In den Sitzungsprotokollen sind nur wenige Hinweise auf die Arbeiterräte vorhanden und wenn, dann nur vereinzelt als Anregungen.[104]

Nach Jahrhunderten mit dem deutschen Kaiser als Stadtherrn hatte Weißenburg nach gut 100 Jahren auch den bayerischen König als Stadtherrn verloren. Die Revolution selbst hatte sich in Weißenburg überaus friedlich vollzogen. Zu größeren Zusammenstößen kam es nicht, die Räte konnten nach kleineren Anfangserfolgen jedoch keine politische oder offizielle Wirkung erlangen. Am 11. November 1919, also genau ein Jahr später, stellte der inzwischen zum Landtagsabgeordneten gewählte Paul Wurzel, Vorstand und politischer Kopf des Arbeiterrats, seine Arbeit ein, "da die Partei durch die Neuwahlen den notwendigen Einfluß in der Stadtvertretung erhalten hat."[105]

Nach dem Ende der Monarchie wurde auch die Gemeindeverfassung auf eine neue Grundlage gestellt. Die neue Gemeindeordnung sah nun nicht mehr zwei Gremien[106] vor, sondern nur noch den Stadtrat, der nun von allen Einwohnern gewählt wurde.[107] Auch der Bürgermeister wurde nun in allgemeiner Wahl von den Einwohnern gewählt.[108]

Entmilitarisierung, Demokratisierung und wirtschaftlicher Wiederaufbau brachten "nie geahnte, oft kaum zu bewältigende Schwierigkeiten", urteilte Bürgermeister Danler im Jahr 1924 rückblickend auf seine erste Amtszeit.[109] "Wir sind über den Berg gekommen" resümierte er vor allem im Hinblick auf die Inflationszeit.

Nach der Stabilisierung der Währung – in Weißenburg wurden mehrere Serien Notgeld mit Nennwerten bis zu 500 Milliarden Mark ausgegeben – stabilisierten sich vorübergehend die Verhältnisse. Allerdings nur kurzfristig, denn schon in seinem Jahresrückblick auf das Jahr 1926 berichtet Danler von den drei großen Problemen der Stadt Weißenburg: "Finanznot, Erwerbslosennot und Wohnungsnot." Die Finanznot beruht "in erster Linie auf dem ungerechten und für die Länder und Gemeinden unzureichenden Finanzausgleich". Danler bezeichnete diesen sogar noch als "schreiendes Unrecht".[110] Vor dem Hintergrund der Geldnot der Stadt erklären sich dann auch die heftigen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Gründung des Bergwaldtheaters[111] unter Danlers Nachfolger, Bürgermeister Dr. Hermann Fitz. [112] Trotz der Finanznot schuf Dr. Fitz eine Einrichtung, die bis heute besteht.

Die Arbeitslosigkeit stieg im Verlauf des Jahrs 1926 an. Insgesamt waren aber bei 3654 Arbeitssuchenden immerhin 2391 Stellen vermittelt worden. Die Finanznot der Kommunen und der rapide Anstieg der Arbeitslosen waren die großen Probleme der Weimarer Republik, die schließlich auch zu ihrem Scheitern beitrugen.

Die Probleme der Wohnraumbeschaffung löste die Stadt zunächst selbst durch den Bau von "Kleinwohnungen" an der heutigen Bürgermeister-Fleischmann-Straße. Mit der Gründung der "Gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft Eigenheim" im Jahr 1921 wurde diese Genossenschaft zum Träger der Wohnungsbaus in Weißenburg – mit tatkräftiger Unterstützung durch die Stadt. Diese stellte vor allem westlich der Bahnlinie den notwendigen Baugrund, in der Anfangszeit auch kostenlos, zur Verfügung.


Erstmals mit der Stadtratswahl vom 8. Dezember 1929 zogen zwei Stadträte der NSDAP ("Hitlerbewegung") in den Weißenburger Stadtrat ein.[113] Über politische Unruhen oder gar Straßenschlachten, wie sie in den größeren Städten zu verzeichnen waren, ist für Weißenburg nur wenig bekannt.[114]

Im Jahr 1932 kam es wirklich zu tätlichen Auseinandersetzungen in Weißenburg. Am 7. Juli, bereits im Stadtrat hatte es nachmittags heftige Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten gegeben, veranstaltete die "Eiserne Front" (SPD und KPD) eine Kundgebung auf dem Marktplatz. Kurz vor Schluß der Ansprache kam es zu "Schlägereien und Stechereien".[115]

Am 11. März 1933 wurden 11 kommunistische Funktionäre und sieben Reichsbannerführer in Schutzhaft genommen.[116]

Nach dem Gleichschaltungsgesetz vom 31. März 1933 wurde auch in Weißenburg der Stadtrat nach dem Ergebnis der Reichstagswahl vom 5. März 1933 neu besetzt. Die NSDAP stellte folglich 10 Mandate, die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 1 Sitz, die Bayerische Volkspartei 1 Sitz[117] und die SPD 3 Sitze.[118]

Am 23. März 1933 fand auf Anordnung des stellvertretenden Gauleiters Karl Holz in Nürnberg eine Mitgliederversammlung der Weißenburger NSDAP Ortsgruppe statt. Diese forderte die sofortige Beurlaubung von Bürgermeister Dr. Fitz[119] und die Übernahme der Geschäfte durch den Kreisleiter der NSDAP, Michael Gerstner. Dr. Fitz, von einem Vertrauten von seiner bevorstehenden Verhaftung informiert, mußte die Stadt bei Nacht verlassen. Die Strategie der Nationalsozialisten ist in der schnellen Besetzung der lokalen Machtpositionen zusammenzufassen. Zu einem Zeitpunkt, als die NSDAP nur über zwei Sitze im Weißenburger Stadtrat verfügte, wurde mit Michael Gerstner ein Außenstehender, d.h. ein nicht Gewählter, unter Übergehung des gewählten 2. Bürgermeisters von der Bezirksregierung "im Einvernehmen mit der Obersten S.A. Führung als kommissarischer Stellvertreter des 1. Bürgermeisters der Stadt Weißenburg i. Bay. aufgestellt". Am 27. März 1933 übergab ihm der 2. Bürgermeister Michel die Amtsgeschäfte.[120]


Neben dem Amt des Bürgermeisters als Leiter der Stadtverwaltung besetzten die Nationalsozialisten das Amt des Leiters der Stadtpolizei, um damit auch die Polizeigewalt unter ihre Kontrolle zu bekommen. In diesem Sinne wurde mit Beschluß des Personalausschusses (21. Juni 1933) und des Stadtrats (unter dem Betreff "Gleichschaltung der städt. Polizei") vom 28. Juni 1933 der bisherige Polizeikommissär Andreas Fischer (1883 - 1975) von seinen Funktionen enthoben[121] und für ihn der von Bürgermeister Gerstner als linientreu[122] eingeschätzte Franz Ohnesorg (1892 - 1962) ernannt. Nach der Pensionierung des Leiters der Stadtpolizei Elias Hohenberger übernahm Ohnesorg am 1. Januar 1934 auch dessen Position.


Nachkriegszeit und Wiederaufbau

In den Morgenstunden des 23. April 1945 endet mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen der Zweite Weltkrieg in Weißenburg. Zeitzeugen berichten von einer ausgestorbenen Stadt, Parteifunktionäre, Bürgermeister Hetzner und Kreisleiter Gerstner hatten sich vorher abgesetzt und so wurde Weißenburg von Stadtkämmerer Georg Schuster übergeben. 589 Tote und Vermisste hatte der Krieg unter den Bewohnern der Kernstadt und der heutigen Ortsteile gekostet.[123]


Die amerikanische Militärregierung entfernte zunächst jeden auch nur geringfügig Belasteten und setzte an ihre Stelle neue Leute ein –häufig ohne Rücksicht auf ihre Qualifikation und Eignung. Der Weißenburger Militärgouverneur Bailey berief am 6. Mai 1945 eine Versammlung (unbelasteter) Weißenburger Bürger in den "Wittelsbacher Hof" ein, um sich von ihnen per Wahl einen kommissarischen Bürgermeister und einen Landrat vorschlagen zu lassen.[124] Die Abstimmung brachte als Ergebnis den Drogeriebesitzer Friedrich Traber als Bürgermeistervorschlag, der von Bailey dann auch zum Bürgermeister der Stadt ernannt wurde.[125] Ein "beratender Ausschuß" zur Unterstützung (ohne weitergehende Befugnisse) wurde ebenfalls von der Militärregierung auf Vorschlag des Bürgermeisters am 12. Juli 1945 bestimmt; die erste gemeinsame Sitzung fand am 3. August 1945 statt.

Gewaltige Aufgaben warteten auf die neue Verwaltung. Da war zunächst die Beseitigung der Kriegsschäden in der Stadt. Bei einem Fliegerangriff am 23. Februar 1945, der hauptsächlich auf Ellingen gerichtet war, warf ein Bomber der US-Luftwaffe auch über Weißenburg mehrere Splitterbomben ab. Getroffen wurde dabei der Bereich zwischen dem Platz Am Hof und der Spitalanlage, in den Trümmern starben 21 Menschen.

Die letzten deutschen Soldaten hatten bei ihrem Abzug, nur Minuten vor dem Eintreffen der Amerikaner, noch die Bahnhofbrücke zur Gunzenhausener Straße gesprengt. Zunächst wurde provisorisch eine Holzbrücke zusammen gezimmert, die erst später durch eine Stahlkonstruktion ersetzt wurde.

Geradezu gigantisch muten die Massen der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen an, die teils in freien Strömen, teils organisiert über das Flüchtlingslager Wülzburg in die Stadt kamen.[126] Innerhalb weniger Jahre stieg die Bevölkerungszahl von knapp 9000 (1939) auf über 14.000 (1950) an. Diese nackten Zahlen können das damit verbundene Elend nicht ermessen. Schnell zusammengebaute Holzbaracken, die noch in den Sechziger Jahren bestanden, dienten als Notunterkünfte. Das Städtische Wohnungsamt spürte jeden noch so kleinen Freiraum auf und belegte ihn mit Wohnungsuchenden.

Innerhalb weniger Monate bekam die Stadtverwaltung die meisten Probleme einigermaßen in den Griff. Auch die Beziehung zur Militärregierung, die anfangs eher restriktiv noch vieles blockiert hatte,[127] besserte sich, mehr und mehr Kompetenzen wurden wieder auf die deutschen Behörden übertragen.


Die Stadt Weißenburg heute

Weißenburg mit seinen derzeit rund 18.000 Einwohnern liegt geographisch fast in der Mitte des Freistaates Bayern im Grenzbereich von Altbayern (der Regierungsbezirk Oberbayern grenzt seit der Gebietsreform von 1972 an den Ortsteil Rothenstein), Franken und Schwaben.

Neun ehemals politisch selbständige Gemeinden (Dettenheim, Emetzheim, Haardt, Holzingen, Kattenhochstatt, Oberhochstatt mit Kehl, Niederhofen und Wülzburg, Rothenstein, Suffersheim mit Heuberg, Weimersheim mit Hattenhof und Schmalwiesen) und ein Gemeindeteil (Hagenbuch, vormals Gemeinde Weiboldshausen) mit zusammen ca. 4000 Einwohnern kamen im Zuge der bayerischen Gebietsreform 1972 und 1978 zur Stadt Weißenburg. Die ehemals weitgehend landwirtschaftlich geprägten Dörfer um die Stadt haben in den letzten Jahrzehnten eine starke Veränderung erfahren. Immer mehr Bewohner arbeiten heute in der Stadt selbst oder pendeln gar noch weiter.

Konfessionell ist die Stadt mit ihren Ortsteilen noch immer überwiegend evangelisch mit rund 56 Prozent der Einwohner, der Anteil der Katholiken liegt bei rund 30 Prozent.

Es ist die Vielfalt, die die Stadt in historischer, kultureller und touristischer Hinsicht auszeichnet. Auch Industrie und Gewerbe bieten neben den hier ansässigen Behörden (Weißenburg ist Sitz des neu gebildeten Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen, in dem die ehem. Landkreise Weißenburg und Gunzenhausen sowie die kreisfreie Stadt Weißenburg zusammengeschlossen wurden) vielfältige Arbeitsplätze.

Das reizvolle Ambiente der Altstadt, der historische Stadtwald, all das darf nicht verdecken, daß die Stadt Weißenburg von ihrer gewerblichen und industriellen Substanz lebt. Dabei ist nicht die Größe des Unternehmens entscheidend. Entscheidend ist, daß eine möglichst breite, vielfältige Branchen-Mixtur besteht, die angesichts der internationalen Verflechtungen der Märkte sich behaupten kann. Insgesamt kann sich die Stadt heute auf eine breitgefächerte, überwiegend mittelständisch strukturierte Wirtschaft stützen.

Einzelnachweise

  1. GOTTHARD KIESSLING, Stadt Weißenburg i. Bay. Ensembles.Baudenkmäler. Archäologische Denkmäler (Denkmäler in Bayern Band V.70/2), München 2001, S. XXXIII-LI).
  2. Die Bezeichnung "am" oder "im" Nordgau wurde, wenngleich eigentlich falsch (Weißenburg liegt nur in der Nähe des alten Nordgaus), seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert üblicherweise zur Unterscheidung gleichnamiger Orte im Reich gebraucht.
  3. Der Zusatz "am Sand" taucht seit dem 18. Jahrhundert vorwiegend in der Literatur auf (vgl. Werke des Weißenburger Lateinschulrektors Johann Alexander Döderlein) und blieb bis ins 19. Jahrhundert gängige Bezeichnung.
  4. Kurt Böhner, Hof, Burg und Stadt im frühen Mittelalter, in: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland Band 14 Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Archäologie und Geschichte, S. 203-204.
  5. Friedrich Eigler, Weißenburg und sein Umland im Jahre 793, in: villa nostra. Weißenburger Blätter für Geschichte, Heimatkunde und Kultur von Stadt und Weißenburger Land, Ausgabe 2/1993, S. 13ff
  6. Friedrich Bernward Fahlbusch, Weißenburg - Werden und Wachsen einer fränkischen Kleinstadt, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung Bd. 48 , 1988, S. 24.
  7. Johann Baptist Homann, Accurater Prospect u. Grundris der Gegend der Kayserl. Freyen Reichs Stadt Weissenburg am Nordgau ..., o. D. Ein Beschluß des Weißenburger Rat datiert den Kupferstich in das Jahr 1724 (hierzu: Gerhard Janner, Magister Johann Alexander Döderlein (1675 - 1745), in: Uuizinburc Weißenburg 867 – 1967. Beiträge zur Stadtgeschichte, Weißenburg i. Bay. 1967, S. 118).
  8. Daniel Burger / Robert Renner, Weißenburg. Bilder einer fränkischen Stadt, Nürnberg 1997, S. 10.
  9. Als „statio biricianis“ wird der römische Ort auf der „Tabula Peutingeriana“ bezeichnet. Es ist dies die einzige, als mittelalterliche Kopie erhaltene antike Wegekarte aus dem 4. Jahrhundert.
  10. Konrad Spindler, Weißenburg 107. Keltische Viereckschanze, in: Führer zu archäologioschen Denkmälern in Deutschland Band 15 Landkreis Weißenburg Gunzenhausen. Denkmäler und Fundstätten, S. 205.
  11. Zur römischen Geschichte vgl. u.a. Eveline Grönke, Das römische Alenkastell Biricianae in Weissenburg i. Bay.: Die Grabungen von 1890 bis 1990, Mainz 1997; Ludwig Wamser, Biriciana. Weißenburg zur Römerzeit, Stuttgart 1984 (Führer zu archäologischen Denkmälern in Bayern, Franken 1); Ute Jäger, Römisches Weißenburg, Kastell Biriciana, Große Thermen, Römermuseum, Treuchtlingen 1998.
  12. Wissenschaftliche Untersuchungen gehen hier von den Jahren um 90 n. Chr. aus (vgl. Eveline Grönke, Neue Ausgrabungen im Steinkastell Biriciana, in: villa nostra. Weißenburger Blätter für Geschichte, Heimatkunde und Kultur von Stadt und Weißenburger Land, Ausgabe 1/1989, S. 5ff).
  13. Burger / Renner, (wie Anm. 7), S. 25.
  14. Wilfried Menghin, Spätrömische und frühmittelalterliche Zeit, in: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland Band 14 Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Archäologie und Geschichte, S. 122.
  15. Kurt Böhner, (wie Anm. 3), S. 199.
  16. Adolf Wilsch, Zur Stadtentwicklung von Weißenburg i. Bay., in: Uuizinburc Weißenburg 867 - 1967. Beiträge zur Stadtgeschichte, Weißenburg 1967, S. 26.
  17. Helmuth Richter, Spuren der Urpfarrkirche St. Martin in der ehem. Schranne in Weißenburg, in: villa nostra. Weißenburger Blätter für Geschichte, Heimatkunde und Kultur von Stadt und Weißenburger Land, Ausgabe 3/1990, S. 11 - 13.
  18. Andreas Bauch, Quellen zur Geschichte der Diözese Eichstätt, Band 1, Eichstätt 1962, S. 154.
  19. Friedrich Eigler, (wie Anm. 4), S. 16.
  20. König Ludwig der Deutsche schenkte dem Kloster Metten einen Wald und das Dorf „Suberesheim“ (Suffersheim). Beides gehörte zu seinem Hof ("villa nostra quae vocatur Uuizinburc") im Sualafeldgau. vgl. dazu BRUN APPEL, Die Schenkung König Ludwigs des Deutschen an das Kloster Metten vom 14. Juni 867, in: Uuizinburc Weißenburg 867-1967. Beiträge zur Stadtgeschichte, Weißenburg 1967, S. 7-12.
  21. Otto Rieder, Geschichte der ehemaligen Reichsstadt und Reichspflege Weißenburg am Nordgau, o. J. (1916), Manuskript im Stadtarchiv Weißenburg, Band II/2 S. 425.
  22. Friedrich Eigler, (wie Anm. 4), S. 15f.
  23. Ute Jäger, "Des rîchs stat": Königliche Städtepolitik im Mittelalter am Beispiel der ehemaligen Reichsstadt Weißenburg, Magisterarbeit in der Philosophischen Fakultät I der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 1994, S. 11 f.
  24. Friedrich Blendinger, Weißenburg im Mittelalter, in: Jahrbuch des historischen Vereins für Mittelfranken, 80. Band, Ansbach 1962/63, S. 5.
  25. Gesicherte Nachweise, wie sie die mittelalterliche Stadtarchäologie liefern könnte, fehlen bislang. Vgl. dazu Friedrich Bernwart Fahlbusch, (wie Anm. 5), S. 25.
  26. Georg Adam Voltz, Chronik der Stadt Weissenburg im Nordgau und des Klosters Wülzburg, Weißenburg 1835, S. 41.
  27. Adolf Wilsch, (wie Anm. 15), S. 39, Anm. 154.
  28. Der „burgus“ Weißenburg wird dabei als Morgengabe von Kaiser Friedrich I. Barbarossa für die Heirat seines Sohnes Konrad mit der Tochter des Königs von Kastilien genannt (vgl. dazu Friedrich Bernwart Fahlbusch, (wie Anm. 5), S. 26.
  29. Diese Anlage wurde im Bereich der Höllgasse bei archäologischen Untersuchungen vor dem Bau des „Neuen Rathauses“ vor wenigen Jahren erstmals nachgewiesen. Eine Publikation der Ergebnisse steht noch aus.
  30. Dies beweist eine Urkunde des Jahres 1240, mit der ein päpstlicher Gesandter den Bischof von Eichstätt anwies, u.a. auch gegen die Stadt Weißenburg Kirchenbann und Interdikt zu verhängen, weil die Stadt dem Kaiser militärische Unterstützung nach Italien geschickt hatte (Burger / Renner , (wie Anm. 7), S. 41).
  31. Hier zitiert nach OTTO RIEDER, (wie Anm. 20), Band II/1, S. 23.
  32. Am 8.3.1276 erlaubte König Rudolf diese Übersiedelung (StA Nürnberg, Brandenburg-Ansbach Urkunde Nr. 1854)
  33. Friedrich Blendinger, (wie Anm. 23), S. 17.
  34. Friedrich Bernwart Fahlbusch (wie Anm. 5), S. 26, setzt die Stadtwerdung Weißenburgs in die Regierungszeit Konrads III. (1138 - 52).
  35. Regesta Imperii V, 4 (11. April 1240).
  36. Ute Jäger, (wie Anm. 22), S. 22.
  37. Otto Rieder, (wie Anm. 20), Band II/2, S. 346.
  38. Ute Jäger, Die Urkunden zur Geschichte der Reichsstadt Weißenburg im Mittelalter, Inaugural-Dissertation an der Philosophischen Fakultät I der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 2000, S. 10.
  39. Das Siegel der Bürgerschaft (civitas“) zeigt in gespaltenem Schild vorne einen halben Adler und hinten eine halbe Burg.
  40. Otto Rieder, (wie Anm. 20), Band II/2, S. 438.
  41. Eine dem beginnenden 14. Jahrhundert zugeordnete Abschrift ist im Urkundenbestand des Stadtarchivs Weißenburg erhalten.
  42. Wilhelm Kraft, Das Urbar der Reichsmarschälle von Pappenheim, München 1929, S. 166, 121, 127 f., 133; (hier zitiert nach Friedrich Blendinger, (wie Anm. 22), S. 8),
  43. Die Sage, Karl der Große haben im Zuge seines Kanalbaus das Kloster auf einer von seinem Vater Pippin dort gestifteten Nikolauskapelle erbauen lassen, entbehrt jeder Grundlage. Vgl. Gerhard Leidel, Geschichte der Benediktinerabtei Wülzburg (Mittelfränkische Studien Band 4), Ansbach 1983.
  44. Friedrich Blendinger, (wie Anm. 23), S. 31
  45. Otto Rieder, (wie Anm. 20), Band II/2, S. 320 f.
  46. Staatsarchiv Nürnberg, Brandenburg-Ansbach Urkunden Nr. 1845.
  47. Staatsarchiv Nürnberg, Brandenburg-Ansbach Urkunden Nr. 1844.
  48. Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Weißenburg Urkunde Nr. 12.
  49. Friedrich Bernwald Fahlbusch, (wie Anm. 5), S. 27.
  50. Stadtarchiv Weißenburg U 1377 April 23.
  51. Gerhard Pfeiffer, Weißenburg als Reichsstadt, Weißenburg 1968, S. 19.
  52. Regesta Imperii VI, Nr. 612.
  53. Friedrich Blendinger, (wie Anm. 23), S. 26 und 35.
  54. Mit der am 8. Oktober 1338 in Nürnberg ausgestellten Urkunde, in der Weißenburg erstmals als Reichsstadt betitelt wird, erhielt die Stadt allerdings nur ein Nutzungsrecht bei gleichzeitigem Rodungsverbot. Erst nach Ende der Reichsstadtzeit, in den Eigentumsauseinandersetzungen mit dem Königreich Bayern, gelang es der Stadt, den Stadtwald zu vollem Eigentum zu erhalten (Stadtarchiv Weißenburg U 1338 Okt. 8).
  55. Stadtarchiv Weißenburg U 1372 Oktober 21.
  56. Mit ausschlaggebend für die große Bewegungsfreiheit dürfte das Aussterben der Grafen von Hirschberg 1305 und das der von Graisbach 1324 gewesen sein (Friedrich Bernwart Fahlbusch, (wie Anm.5), S. 30).
  57. Bereits 1383 war Weißenburg dem Schwäbischen Bund beigetreten (Friedrich Blendinger, (wie Anm. 22), S. 23 ff).
  58. Die Markgrafen hatten im Jahr 1418 die Vogtei über das Kloster erhalten (Regesta Imperii Bd. 66 Nr. 3140; vgl. ausführlich zur Klostergeschichte Gerhard Leidel, wie Anm. 40).
  59. Friedrich Blendinger (wie Anm. 23), S. 30f.
  60. Urkundensammlung des Stadtarchivs (so z.B. 01.09.1458, 12.12.1458, 12.07.1459 und 08.07.1463)
  61. 60 vgl. dazu Wolfgang von Stromer, Peter Steinberger aus Weißenburg als Finanzmakler, in: Oberdeutsche Hochfinanz 1350 - 1450, Wiesbaden 1969/70, S. 387-435.
  62. REINER KAMMERL / JOSEF MANG, Weißenburg aus der Luft. Eine Stadt im Überblick, Weißenburg 1993, S. 20 f.
  63. Die Einführung des Ungelds erfolgte mit kaiserlichem Privileg im Jahr 1372, also vier Jahre vor dem Beginn der Stadterweiterung (Stadtarchiv Weißenburg U 1372 Okt.21).
  64. Otto Rieder, (wie Anm. 20), Band II/2 S. 517, nennt nach zeitgenössischen Quellen einen Schuldenberg von rund 120.000 Gulden mit einer daraus folgenden jährlichen Zinsbelastung von 12.000 Gulden bei einer gleichzeitigen Jahreseinname von 3.900 Gulden. Auch wenn diese Zahlen als zu hoch angesetzt erscheinen – aus einer zeitgenössischen Quelle des Jahres 1481 (Stadtarchiv Weißenburg B 79) errechnet sich eine Zinslast von 3.900 Gulden – so war die Schuldenlast doch erdrückend.
  65. Einige Mitglieder des alten Rats sollen im Gefängnis gestorben sein. Die Gläubiger setzten der Stadt anfangs hart zu, manche Weißenburger wurden von ihnen sogar als Geiseln genommen.
  66. Vgl. Helmut Flachenecker, Eichstättisch-weißenburgische Beziehungen, in: villa nostra. Weißenburger Blätter für Geschichte, Heimatkunde und Kultur von Stadt und Weißenburger Land, Ausgabe 3/1999, S. 21-23.
  67. Der Kaiser bestimmte, dass in den folgenden 10 Jahren den Gläubigern ihre Darlehen (allerdings ohne Zinsen) mit den bisherigen Raten zurückbezahlt werden sollten. Auf diese Art und Weise wurden bis 1491 über 20.000 Gulden zurückbezahlt (vgl.: Reiner Kammerl, Der Weißenburger Fenstersturz oder Die Sage von Bürgermeister Rosenstil, in: villa nostra. Weißenburger Blätter für Geschichte, Heimatkunde und Kultur von Stadt und Weißenburger Land, Ausgabe 1/1996, S. 5-9.
  68. In der Folgezeit holte sich der Weißenburger Rat regelmäßig vor wichtigeren Entscheidungen Rat in Nürnberg. Gleichzeitig ließ man sich beinahe ausnahmslos auf allen Reichs- und Städtetagen von den Nürnberger Gesandten vertreten.
  69. Die nachträglich als Darstellung der Übergabe der "Confessio" an den Kaiser angefertigten Konfessionsbilder, u.a. auch jenes in der Andreaskirche, veranschaulichen diesen Vorgang stets unter Abbildung eines Weißenburger Vertreters.
  70. Zur Einführung der Reformation in Weißenburg grundlegend: KARL RIED, Die Durchführung der Reformation in der ehemaligen freien Reichsstadt Weißenburg i. Bay., München und Freising 1915
  71. Zu ersten Erhebungen war es in Süddeutschland bereits in den Jahren 1493 und 1517 gekommen ("Bundschuh").
  72. Josef Seger, Der Bauernkrieg im Hochstift Eichstätt (Eichstätter Studien Neue Folge 38), Regensburg 1997.
  73. Stadtarchiv Weißenburg A 1631 und A 10200.
  74. Burger / Renner, (wie Anm. 7), S. 86 ff.
  75. Die Auflistung, die beim Reichstag in der Hoffnung auf materielle Entschädigung eingereicht wurde, übertreibt zwangsläufig in der Höhe und dem Ausmaß des erlittenen Schadens. Der Bericht legt eine völlige Zerstörung der Stadt nahe. Dem widersprechen aber die Befunde der im Rahmen der Denkmaltopographie erstellten Bauaufnahme, die für die Altstadt noch einen großen Bestand an Häusern aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg annehmen. Auch die im Stadtarchiv vorliegenden Nachlaßinventare aus der unmittelbaren Zeit nach 1648 (z.B. für das Anwesen Rosenstr. 16) belegen einen angesichts der erwähnten Plünderungen etc. erstaunlich hohen Standart der Einrichtung.
  76. So begann erst 1662 die Reparatur der Stadtmauer, 1664 und 1666 folgte der Wiederaufbau des Frauentors, 1663/64 die Renovierung des Obertors (Stadtarch9iv Weißenburg B 40/9) und des Ellinger Tores nach 1662 (das Holz für das Gebälk des Dachgeschosses wurde im Sommer 1662 eingeschlagen). Viele zerstörte Privathäuser blieben Ruinen oder standen leer (sog. "Brandstützen"), wie etwa die alte Apotheke am Marktplatz, die erst um 1700 wieder aufgebaut wurde.
  77. Bereits im 16. Jahrhundert waren Glaubensflüchtlinge aus dem Herzogtum Baiern, Steiermark, Kärnten und Krain nach Franken gekommen. Die großen Ströme kamen aber erst nach dem Westfälischen Frieden. Ein nochmaliger Zuzug erfolgte ab 1730 nach der Ausweisung der Protestanten aus dem Fürstbistum Salzburg (Vgl. dazu: KARL GRÖSCHEL, Exulanten in Stadt und Bezirk Weißenburg und Dekanat Heidenheim, (Weißenburger Heimatbücher Band 9), Weißenburg 1935)
  78. Burger/Renner, (wie Anm. 7), S. 94.; Friedrich Blendinger, Die erste Volkszählung in Weißenburg im Jahre 1688, in: Uuizinburc Weißenburg 867-1967. Beiträge zur Stadtgeschichte, Weißenburg 1967, S. 88 - 104.
  79. Georg Adam Voltz, (wie Anm. 25), S. 171.
  80. Friedrich Blendinger, (wie Anm. 76).
  81. In diesen Steuerschätzungen sind alle Abgaben aus Haus- und Grundbesitz sowie Handwerk aufgelistet. (Stadtarchiv Weißenburg B 47/1).
  82. Vgl. dazu Gustav Mödl, "Weissenburg contra Weissenburg". Ein Beitrag zum Verhältnis zwischen Rat und Bürgerschaft, in: Uuizinburc Weißenburg 867 – 1967. Beiträge zur Stadtgeschichte, Weißenburg i. Bay. 1967, S. 105 ff.
  83. Mit dem ehemals zum Kloster Wülzburg gehörigen Amtssitz im „Klösterlein“ (heute Teil des Landratsamts) hatten die Ansbacher schon exterritorialen Besitz in der Stadt.
  84. Durch die damalige Neutralität Preußens war auch Weißenburg vor französischen Übergriffen geschützt.
  85. Ein erheblicher Teil des reichsstädtischen Archivs (vor allem Urkunden) mußte damals nach München abgegeben werden und befindet sich heute im Staatsarchiv Nürnberg.
  86. Erst nach langen Bemühungen verlieh König Ludwig I. im Jahr 1835 der Stadt wieder ihr altes, reichsstädtisches Wappen.
  87. Reiner Kammerl, Weißenburg und der preußische Nachbar in Ansbach, in: "villa nostra". Weißenburger Blätter für Geschichte, Heimatkunde und Kultur von Stadt und Weißenburger Land, Ausgabe 3/1991, S. 5 ff. Vgl. zum Übergang an Bayern: Annerose Wieser, Reichsstadt – Preussische Landstadt – Bayerische Landstadt 1790 - 1818, Zulassungsarbeit an der Universität Erlangen – Nürnberg, 1977.
  88. Abschrift in: Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1906.
  89. Schreiben vom 28.3.1812 (Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1906).
  90. Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1790.
  91. Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 1792/2.
  92. Der Stadtplan von 1726 weist den langen Graben als Stadtgraben an der Schanzmauer (etwa vom Scheibleinsturm bis zur Bahnhofstraße) und den anschließenden Heuberger Graben südlich der Bahnhofstraße nach.
  93. Nach der Dotation des Fürsten von Wrede mit Ellingen.
  94. August Fleischmann (1826 - 1887). Der gebürtige Weißenburger war nach abgeschlossenem Jurastudium (Erlangen 1848) von 1854 bis zu seinem Tod rechtskundiger 1. Bürgermeister der Stadt Weißenburg. In seiner langen Amtszeit hat er die Entwicklung Weißenburgs nachhaltig geprägt.
  95. Der Bericht wurde von ihm anläßlich der Renovierung der Andreasturmspitze erstellt und anschließend in den Turmknopf eingelegt. Bei der Renovierung der Andreaskirche im Jahr 1999 wurde das Original entnommen und dem Stadtarchiv übergeben.
  96. Getreidelager- und -verkaufsplatz in der östlichen Altstadt anstelle der abgebrochenen St. Martinskirche.
  97. Die 1849 fertiggestellte Ludwig-Süd-Nord-Bahn lief an Weißenburg vorbei (Donauwörth – Gunzenhausen ­– Pleinfeld. 1869 erfolgte endlich der Anschluß Weißenburgs an die Trasse von Treuchtlingen nach Pleinfeld. Das letzte Teilstück Treuchtlingen – Donauwörth konnte erst 1906 fertiggestellt werden.
  98. Hier wären z.B. die noch bestehenden Firmen Anselm und Raab zu nennen (1873 gegründet).
  99. Mit Ausnahme des südlichen Schloßflügels, dessen Ankauf die Stadt im Hinblick auf die Kirche der weiterbestehenden Kirchengemeinde Wülzburg abgelehnt hatte und der bis heute in staatlichem Besitz verblieben ist.
  100. Thomas Biller, Die Wülzburg. Architekturgeschichte einer Renaissancefestung, München-Berlin 1996, S. 249.
  101. EDELTRAUD LOOS (Bearb.), "Behufs der Bestimmung des im Bezirk herrschenden Kulturgrades ..." Die Physikatsberichte in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Beitrag zur Sozial- und Kulturgeschichte Mittelfrankens, Ansbach 1999, S. 155
  102. Der Rat bestand aus zusammen 15 Mitglieder, jeweils 5 pro Rat (Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 493).
  103. August Lober (1875 - 1920), Rechtsanwalt, rechtskundiger 1. Bürgermeister Weißenburgs von 1906 bis 1920.
  104. Eine Aufstellung vom 20. Januar 1919 nennt neben dem zehnköpfigen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat den vom Magistrat bestimmten Bürgerrat (5 Mitglieder) und einen Beamtenrat mit 3 Mitgliedern (Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 508/2).
  105. Stadtarchiv Weißenburg III 47/1-4. Bei der Stadtratswahl vom 15. Juni 1919 erhielt die Sozialdemokratische Mehrheitspartei 9 von 20 Sitzen im Stadtrat
  106. Entsprechend der Gemeindeordnung von 1818 gab es das von der Bürgerschaft gewählte "Kollegium der Gemeindebevollmächtigten", das wiederum den Magistrat bestimmte.
  107. Bei der ersten Stadtratswahl am 16. Juni 1919 erhielt der Bürgerliche Block 9 Sitze, die Sozialdemokratische Mehrheitspartei 9 Sitze und die Christlichen Gewerkschaften 2 Sitze.
  108. Nach dem Tod von August Lober wurde am 9. Mai 1920 der Nürnberger Jurist Karl Danler gewählt (1927 aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten).
  109. Karl Danler, Rückblick auf die Tätigkeit des Stadtrates Weißenburg i. B. während der Wahlperiode 1919 - 1924, Weißenburg 1924.
  110. Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 138.
  111. Eröffnet mit dem "Weißenburger Waldspiel" im Jahr 1928.
  112. Dr. Hermann Fitz (1886 - 1964), 1927 - 1933 rechtskundiger 1. Bürgermeister der Stadt Weißenburg.
  113. Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 95/25.
  114. Am 11. Januar 1931 wollten nach einem Zug durch die Stadt SPD-Anhänger und organisierte Gewerkschaftler zu einer Versammlung in das Ev. Vereinshaus (an der Nürnberger Straße) ziehen. Dort aber hatten bereits Nationalsozialisten, die in zwei "dichtgefüllten Lastautos von Nürnberg" gekommen waren, den Saal besetzt. Die "Roten" zogen in die städt. Turnhalle, die "Braunen" folgten nach, umstellten die Turnhalle und sangen ihre Lieder. Die Stadtpolizei sicherte unter starkem Aufgebot die Eingänge und so zogen die Nationalsozialisten vor die Wohnung des 1. Bürgermeisters ("Dörfler-Villa" an der Schulhausstraße) zu einer Protestkundgebung und anschließend wieder in das ev. Vereinshaus zu einer Versammlung. "Außer einigen Anrempelungen ist der gestrige politische Sonntag ohne größere Ausschreitungen verlaufen" heißt es im Bericht der Weißenburger Zeitung vom 12. Januar 1931. Am 19. Juli 1931 kam Adolf Hitler sogar selbst nach Weißenburg und hielt im Bergwaldtheater eine Kundgebung.
  115. Ein "Polizeibericht" in der Weißenburger Zeitung vom 8. Juli nennt 1 Schwerverletzten und eine ganze Reihe von Verletzten.
  116. Thomas Wägemann, Alltag im Dritten Reich: Im Bann der Propaganda, Neujahrsbeilage des Weißenburger Tagblatts vom 31.12.1999 / 2.1.2000.
  117. Der Mandatsträger Friedrich Traber legte im Juli 1933 sein Amt nieder, sein Sitz wurde "entsprechend der Volksmeinung" mit einem NSDAP-Mitglied besetzt.
  118. Die drei Räte Max Müller, Wilhelm Böhner und Fritz Berger erklären am 10. Juli 1933 ihren Rücktritt. Das eindrucksvolle Zeitdokument ist im "Konzentrationslager Dachau Politische Abteilung" abgestempelt (Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 141).
  119. Ein Jahr vorher, am 14. April 1932, hatte der Fraktionsführer der NSDAP im Stadtrat, Max Hetzner, auf die von Dr. Fitz gestellte Vertrauensfrage noch erklärt, dass seine Fraktion "nach wie vor bereit ist, in sachlicher und völlig ungebundener Weise für das Wohl unserer Stadt mitzuarbeiten."
  120. Stadtarchiv Weißenburg Rep. III 112/4.
  121. Als Polizeikommissär war er 1. Polizeivollzugsbeamter der Stadt (Leiter der Schutzpolizei) und Vertreter von Polizeioberinspektor Elias Hohenberger.
  122. In einem Vermerk vom 28.12.1934 (seit 1.1.1934 war Ohnesorg Leiter der Stadtpolizei) urteilte Gerstner über ihn, er habe "... stets die Belange der NSDAP vertreten, obwohl dies seinem Fortkommen unter der vormaligen roten Systemherrschaft nicht dienlich gewesen ist." Nach Kriegsende wurde von der Spruchkammer Nürnberg am 14.09.1950 das Entnazifizierungsverfahren gegen Ohnesorg eingestellt, nachdem er weder als Hauptschuldiger oder Belasteter eingestuft wurde.
  123. Thomas Wägemann, Der Zweite Weltkrieg und das Kriegsende in Weißenburg, Neujahrsbeilage des Weißenburger Tagblatts vom 31.12.1999/2.1.2000.
  124. Eine schon am 3. Mai einberufene Versammlung hatte dem Militärgouverneur per Wahl Fritz Kropf vorgeschlagen. Gründe für seine Nichternennung bzw. die Wiederholung der "Wahl" sind nicht bekannt.
  125. Veröffentlicht im Amtsblatt Nr. 3 vom 24. Mai 1945.
  126. vgl. dazu: Walter König, Flüchtlingslager Wülzburg. Ankunft und Integration der Heimatvertriebenen in Weißenburg (Weißenburger Heimatbücher Band 1), Weißenburg 1990.
  127. Georg Schuster, der als Verwaltungsleiter zunächst im Amt blieb, und sein Nachfolger Friedrich Traber mussten täglich bei der Militärregierung ihrer Anweisungen abholen bzw. Bericht erstatten.