Möhrenbach

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Möhrenbach, der

mundartlich: mεәnbôχ, früher: mîәnbôχ

Die kurzen Quellbäche entspringen in der Fränkischen Alb und fließen bei Otting, Schwaben, zusammen. Der Möhrenbach mündet bei Treuchtlingen unterhalb der Burgruine rechts in die Altmühl. Nördlich von Möhren mündet der Lämmerberggraben.

Geschichte

1281 fluvium dicitur Mern – 1354 Meren – 1504 die Mern – 1516 Mörn [1] – 1599* Mörn der ursprung und Ottinger bach [2] – 1721 Die Möhren [3] - 1833 Möhrn [4]

Deutung des Bachnamens

Es ist von germanisch *marinō (= fließendes Gewässer mit sumpfigen Stellen) auszugehen [5], Möhren ist eine -n-Ableitung. Das -ar- konnte zu -er- umgelautet werden, woraus sich in der älteren Mundart wiederum -îә- (für das Umlaut-e) bildete (analog zu îәdә aus ergetag = Dienstag). Noch 1596 heißt der Bach nur die Möhren[6] . Als man den ursprünglichen Gewässernamen nicht mehr erkannte, fügte man an das Grundwort -bach an.

Parallelnamen

Möhrenbach (Fluss und Gemeinde im Ilmkreis / Thg.), Mörn, rechts zum Inn; Meern, Fluss in Südholland (Utrecht).

Wasserwirtschaft

Der ausgetrocknete Möhrenbach zwischen Gundelsheim und Möhren am 18. September 2012

Der Wasserstand des Baches ist recht unterschiedlich. So kommt es immer wieder zu Hochwassern mit größeren Überschwemmungen, andererseits trocknet das Bachbett im Oberlauf in längeren Perioden ohne Niederschlag aus, zuletzt im September 2012 und 2015. So haben in einer gemeinsamen Aktion der Landschaftspflegeverband, das Wasserwirtschaftsamt, die Bezirksfachberatung für Fischerei und zahllose freiwillige Helfer im Spätsommer 2012 2550 Bachmuscheln und 4500 Edelkrebse aus dem ausgetrockneten Bachabschnitt zwischen Gundelsheim und Möhren eingesammelt und in einen von Bibern aufgestauten Gewässerabschnitt gebracht.[7] Wegen dieses unregelmäßigen Wasserstandes haben alle Mühlen eine Ableitung als Mühlgraben, der zur gleichmäßigen Wasserzufuhr für das ehemalige Mühlrad notwendig war.

Verkehr

Durch das Möhrenbachtal führt die Staatsstraße 2217 von Treuchtlingen bis Möhren Richtung Rehlingen und ab Möhren die Kreisstraße WUG 6 nach Gundelsheim, außerdem verläuft die Bahnstrecke Nürnberg–Augsburg durch das Möhrenbachtal.

Siedlungen am Möhrenbach (Ortsteile von Treuchtlingen seit 1. Juli 1972)

Gundelsheim

Gundelsheim
katholisches Kirchdorf; 1097 Graf Rapoto überträgt Gundoltesch(eim) dem Kloster St. Ulrich und Afra in Augsburg - 1146 wird in einer Kopie von 1175 ein Adalbert von Dambach genannt, der Besitz in Gundoldesheim für 11 Talente verkauft - 1183 (Nachtrag 1. Viertel des 13. Jh.s) Das Kloster St. Ulrich und Afra hat die Kirche in Gundolshaim von Herrn Engelhard von Adelburg um sechs Regensburger Talente ausgelöst - 1268 Gundoltsheim - 1422 Gündelsheim - 1424 an Gundeltzhainer gemaind - 1522 Gundelsheim [8]

Der Ortsname, mundartlich gundlschә, ist aus dem Grundwort -heim gebildet, althochdeutsch heim = Wohnsitz, Heim, Heimat, und dem Personennamen Gundolt. Das -e- der Genitivendung fiel aus, das -o- in der zweiten Silbe der Erstnennung des Namens wurde abgeschwächt zu -e-. Das -s- zwischen Gundolt- und -heim wird gemäß der Mundart zu -sch-, erscheint aber nicht schriftsprachlich. Der germanische Personenname Gundolt besteht aus den Wortteilen gund = Kampf und old = waltend, herrschend.

Möhren

Möhren
katholisches Pfarrdorf; ca. 1175 wird erstmals ein Adelbert de Merne genannt - 1204 Adelbert de Meren (Fälschung nach 1215) - 1214 (Kopie von 1444) Mühle bei Merna - 1313 de Meren - 1575 Andreas Fuchs von Bimbach zu Möhrn - 1583 Andreas Fuchs zue Möhren. Er lässt als Neuburger Statthalter die einstige Schlosskirche Mariä Himmelfahrt errichten. Die Kirche mit ihrem freistehenden Glockenturm wurde im 30-jährigen Krieg stark beschädigt. 1671 wird sie zusammen mit 32 Häusern im Ort durch Blitzschlag und einen anschließenden Großbrand vernichtet. [9]

Der Ortsname, mundartlich meәn, leitet sich von dem gleichnamigen Gewässer ab (s. o.). Diese Gewässernamenwurzel ist im nördlichen Mitteleuropa weit verbreitet. Oberhalb des Ortes liegt das gleichnamige Schloss, das in Privatbesitz ist. Außerdem befindet sich dort das AWO-Pflegeheim Möhren mit therapeutischer Werkstatt für psychisch Kranke.

Fuchsmühle

Fuchsmühle
Ehemals die Mühle „eines Mannes namens Fuchs“, in einer älteren Schreibweise „Fuxmüll“. Weitere historische Namen für die Mühle sind Schermühle und Möhrmühle. - 1522 ging das Gut nahe Möhren an die Herren von Fuchs von Bimbach über, die die Mühle am „Marbrunnen“, einem ergiebigen, dem Möhrenbach zufließenden Quellbach, erbauten. - 1600 Fuchsmüll - 1744 Möhringer Fuchß-Mühl- 1806 kam die Mühle mit Möhren zum Königreich Bayern - 1862 zum Bezirksamt (ab 1935 Landkreis) Donauwörth - 1841 war die Mühle ein „Mühlgut mit realer Mühlgerechtigkeit, zwey Mahlgängen und einer Säge.“ Die Fuchsmühle blieb bis zur Gebietsreform 1972 ein Ortsteil von Möhren, seitdem Gemeindeteil von Treuchtlingen und kam damit vom Regierungsbezirk Schwaben zu Mittelfranken.

1928 wurde die Juraquelle der Mühle gefasst und an das Treuchtlinger Wasserleitungsnetz angeschlossen. Der Mahlbetrieb wurde nach 1945 aufgegeben. Da zur Mühle keine nennenswerten landwirtschaftlichen Flächen gehören, haben die fünf Anwesen nur Wohnfunktion.[10]

Mattenmühle

Mattenmühle
1300 gibt der Brunitzenmüllner an der Mern an das Kloster St. Walburg in Eichstätt - 1361 Brunitzmüllerin - 15. Jh. Steigmüll a. d. Meren - 1651 Prenneisenmül - 1667 Matten- oder Brenneisenmühl - 1700 Mattenmühle

Die älteren Namensbelege weisen auf einen Besitzer Brunitz o. ä. hin (verderbt zu Brenneisen). Der Name Steigmühle bezieht sich auf den Steig, der hier vom Möhrenbachtal nach Haag bzw. Rehlingen führt. Im Wort Mattenmühle steckt der Vorname Matthias, denn ein Familienname Matt o. ä. ist für die Mühle in den Pfarrmatrikeln von Treuchtlingen nicht nachweisbar.

Schürmühle

Schürmühle
1281 gibt Graf Friedrich von Truhendingen dem Kloster Fulda für das Kloster Solnhofen die Hörnlinsmul super fluvio Mern gegen Tausch - 1363 Hörnleins-Mul - 1447 Albrechts müll - 1596 Schirers Mül a. d. Möhren, früher Albrechtsmül, sie gehört zur Herrschaft des Veit von Pappenheim - 1667 Schür-, Albrechts-, auch Chezenmüll genannt - 1732 Schürmühle. 1988 wurde der Getreidemahl- betrieb aufgegeben, heute ist das Anwesen ein großes Sägewerk und seit 1910 in Besitz der Familie Schmidt.

Der Namen der Mühle weist zunächst auf einen Besitzer Hörnlein, dann Albrecht und später Schirer hin. Letzterer wurde dann fest. Im Namen Chezenmüll steckt das mittelhochdeutsche Wort ketzen/ketschen, das so viel wie schleifen, schleppen bedeutet. [11]

Dickmühle

1360 Dickmul an der Meern: Heinrich von Pappenheim bestätigt, dass die Mühle von seinem Vorfahren an die Kapelle zum Hl. Geist in Pappenheim gegeben wurde - 1559 Zohlmühle zum Augustinerkloster Pappenheim - 1596 Bartels Mühl a. d. Möhrn - 1667 die Zollmühle zur Herrschaft Treuchtlingen (vor dem 30-jährigen Krieg noch pappenheimisch). Mit der Herrschaft Treuchtlingen ging sie an das Fürstentum Ansbach über und diente nunmehr als Zollstation zwischen dem ansbachischen und dem pappenheimischen Territorium. - 1803 „Zollmühle“ zum ansbachisch-markgräflichen Verwalteramt Treuchtlingen.[12] - 1810 Dickmühle der Munizipalgemeinde Treuchtlingen, 1857 der Gemeinde Haag zugeschlagen, die 1972 zu Treuchtlingen kam. - 1865 wird die Dickmühle vom Besitzer Wilhelm Wiesinger in einer Verkaufsofferte als Mühle mit vier Mahlgängen und einem Gerbgang beschrieben, dazu eine Säge-, Öl- und Gipsmühle; an Gebäuden zusätzlich Stadel, Stallung und Wagenremise, „alles in bestbaulichem Zustande.“[13]. Das 1750 in Betrieb genommene Sägewerk existiert heute noch, während das Getreidemahlen in den 1970er Jahren eingestellt wurde. Zugleich ist das Anwesen ein landwirtschaftlicher Betrieb.

Der Ortsname wird gedeutet als „zu der Mühle am Waldteil Dicke“; der Flurname „in der Dickhe (= am Dickicht)“ ist für 1621 belegt.[14]

Sägmühle

1354 verkauft Ulrich von Treuchtlingen die Reysmůl an Wirich von Treuchtlingen - 1359 Reysenmühle - 1447 verkauft Hanß von Seckendorf seinen Untertan auf der Seegmühl, Andreas Müller, an Heinrich von Pappenheim - 1453 Reißmül zur Herrschaft Pappenheim - 1596 Seegmüller gehört zur Herrschaft des Erbmarschall zu Treuchtlingen - 1716 Seeg- od. Raißmühle an Johann Walchmüller. Um 1955 wurde das Getreidemahlen eingestellt. Am Zusammenfluss vom Mühlbach und Möhrenbach steht ein großer Grenzstein im Wasser, der die alte Grenze zwischen der Herrschaft Pappenheim (Wappen auf der Westseite) und dem Verwalteramt Treuchtlingen des Fürstentums Ansbach markiert.

Der Name Reismühle bedeutet: Mühle, auf der Kriegsdienstpflicht ruht (althochdeutsch reisa = Heerreise, Kriegsfahrt. Nachdem ein Sägewerk eingerichtet wurde, erhielt die Mühle nach ihm den Namen. Da sie seit 1716 in Besitz der Familie Walchmüller, heute Wallmüller, ist, heißt sie daher im Volksmund auch Wallmühle.[15]

Schmarrmühle

1504 ein mul, do die Mern in die Altmul fleust - 1596 Hans Mack, Neher Hofmüller zur Herrschaft des Veit Erbmarschall nach Treuchtlingen gehörig - 1642 Nöchersmühl - 1732 Nähermühl - 1765 Näher- od. Schmarmühl - 1768 Schmarnmühl

Der ältere Name bezieht sich auf einen früheren Besitzer Näher oder ähnlich. Im Namen Schmarrmühle steckt das früher in der Mundart gebräuchliche Wort schmarrn für einen schmutzigen Fleck, womit wohl der sumpfige Boden der Umgebung gemeint ist.[16]

Fußnoten

  1. alle Belege nach STRASSNER, Erich, Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Mittelfranken, Band 2: Land- und Stadtkreis Weißenburg i. Bay., 1966, S. 39
  2. VOGL'sche Karte: Landgericht Graisbach, * = Kopie von 1757; Diözesanarchiv Eichstatt LG
  3. Nova Comitatus Pappenheimensis Tabula (Landkarte), Diözesanarchiv Eichstätt
  4. Nr. 28 Steuergemeinde Möhren, k. Landgericht Monheim im Rezat-Kreise, 3. Extraditionsplan, München 1833
  5. GREULE, Albrecht: Die Rolle der Derivation in der altgermanischen Hydronomie; in: Suffixbildungen in alten Ortsnamen. Hrsg. v. Thorsten Anderson u. Eva Nyman, Uppsala 2004, S. 202 und drs. in Dt. Gewässernamenb., Stichwort Möhrenbach
  6. STRASSNER, s. o. , S. 61, Nr. 184
  7. Wochenanzeiger Weißenburg - Gunzenhausen - Treuchtlingen vom 16.05.2013, S. 7
  8. KELLER, Judith: Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Schwaben, Band 10: Der ehemalige Landkreis Donauwörth, ISBN 978 3 76966864 3, S. 90f
  9. KELLER, J., s. o., S. 174f; Weißenburger Tagblatt vom 19.10.2012, S. 9
  10. Quellen: LIDL, Josef Hsg., Heimat- und Bäderverein Treuchtlingen e. V. (Hrsg): Heimatbuch Treuchtlingen. Treuchtlingen [um 1984] - PFISTER, Doris: Historischer Atlas von Bayern, Donauwörth. Der ehemalige Landkreis. München: Kommission für bayerische Landesgeschichte 2008, S. 328, 330, 333, 334, 337, 341, 358 u. 370 - KELLER, J., s. o. S. 106, S. 76 - Wikipedia Treuchtlingen
  11. LEXER, Matthias: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch, Stuttgart 1966, S. 106; alle urkundlichen Belege und die Deutung nach STRASSNER, E., s. o., S. 61; Infotafel am Hauptgebäude
  12. STRASSNER, s. o., S. 11
  13. Fränkische Zeitung (Ansbacher Morgenblatt) Nr. 191 vom 15. August 1865
  14. Alle urkundlichen Belege und die Deutung nach STRASSNER, E., s. o., S. 11 und LIDL, Josef: Heimatbuch Treuchtlingen, Hsg. Heimat- u. Bäderverein Treuchtlingen e.V., S. 124 und 209
  15. nach STRASSNER, s. o., S. 57; LIDL, Treuchtlinger Heimatbuch, S. 140 und Wikipedia: Treuchtlingen
  16. Alle urkundlichen Belege und die Deutung nach STRASSNER, E. , s. o., S. 61; alle Fotos von BEIER, Ulf, Weißenburg, September 2012