Galgenbergsiedlung in Weißenburg, Geschichte der Siedlung von 1932 bis 1944

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Auf dem Platz vor dem Heim der Siedlervereinigung Weißenburg e.V. findet alle Jahre im Sommer das Siedlerfest statt.

Die Weißenburger Galgenbergsiedlung liegt im Norden der Stadt. Sie hat ihren Namen nach dem westlich der Nürnberger Straße gelegenen ehemaligen Galgenberg. In Weißenburg stand der Galgen auf dem Hügel westlich der Nürnberger Straße – im Gegensatz zur heutigen Galgenbergsiedlung, die östlich der Straße liegt.

Geschichte

Die wirtschaftliche Not nach dem 1. Weltkrieg gerade in den unteren Bevölkerungsschichten verschärfte auch die Wohnungsnot. 1931 schuf der Stadtrat Weißenburg die Grundlage für die Kleinsiedlerbewegung. Am 28. Februar 1932 wurde der Kleinsiedlerverband ins Leben gerufen und noch im selben Jahr konnte ein Reichsdarlehen von 60.00 Mark zur Errichtung von 24 Siedlerstellen verwendet werden.

Doppelhaus der 1. Bauphase im Originalzustand, Aufnahme von 1949

Diese vorstädtischen Kleinsiedlerstellen entstanden weit ab von der Stadt am heutigen Rennweg. Die reinen Baukosten sollten 2.500,- Mark nicht übersteigen. So entstanden Einfamilien-Doppelhäuser mit Keller, Erd- und Dachgeschoss mit Stallanbau. Das Erdgeschoss umfasste 36,9 m2, das Dachgeschoss 13,8m2.

Die Bewerberzahl übertraf die Anzahl der Siedlerstellen um ein Vielfaches, weshalb diese ausgelost wurden. Zum Zuge kamen vorwiegend Familien arbeitsloser Handwerker, die einen Großteil der Bauarbeiten in Eigenleistung selbst ausführen konnten. Politisch waren fast alle Kommunisten, was ihnen nach der Machtübernahme durch die NSDAP in mehreren Fällen Probleme brachte. Die Kalksteine für den Bau wurden im Steinbruch am Bärenloch gebrochen. Erster Spatenstich war am 20. Juli 1932, die letzten Häuser wurden bereits im Herbst 1933 bezogen. Die Siedler waren zur Kleintierhaltung verpflichtet und erhielten zum Anbau von Feldfrüchten Grundstücke östlich des noch unbebauten Habermühlweges und südlich der Galgenbergstraße. Es gab noch keine Kanalisation, nur Versitzgruben.

Zweiter Bauabschnitt

1935 erfolgte der 2. Bauabschnitt mit etwas größeren Doppelhäusern mit einer Gesamtnutzfläche von 72,7 m2. Jetzt wurden für die 28 neuen Siedlerstellen aus den 154 Bewerbern Handwerker, Kriegsbeschädigte und Kinderreiche bevorzugt. Die politsche Einstellung stand hinter der Eignung zurück. Trotzdem sollten die Häuser in den ersten drei Jahren nur vermietet werden (Monatsmiete 20,15 Reichsmark), um festzustellen, ob die Siedler auch mit der Kleinviehhaltung und der Feldarbeit zurechtkommen. Das war meistens der Fall. Manche mussten jedoch ihre Häuser verlassen. Es kamen regimetreue Siedler zum Zuge, die dann 1945 wieder ausziehen mussten. Eigenleistung beim Bau war jetzt nicht mehr möglich, weil es amtlich keine Arbeitslosen mehr gab. Ab 1936 war das sog. "Heimstättenamt" für die Vergabe der Siedlerstellen zuständig, das nach NSDAP-Vorgaben entschied.

Bis 1935 waren 36 Doppelhäuser entstanden. Wegen der nicht mehr möglichen Eigenleistung stieg der Preis für eine Siedlerstelle (= Doppelhaushälfte) von 2.500 RM auf 3.500 RM. Am 17. Juli 1936 konnten die letzten 12 Häuser des 4. Bauabschnitts bezogen werden. Laut Adressbuch der Stadt vom August 1937 standen in der damaligen Galgenbergsieldung 87 Häuser. Zwischen 1937 und 1938 wurden noch einige Häuser an der heutigen Galgenbergstraße (Nordseite) errichtet. Damit war der alte Teil der Galgenbergsiedlung abgeschlossen.

Barackenbauten

1944 kamen östlich des jetzigen Habermühlweges Barackenbauten dazu. "Sie sprengten das Bild der Siedlung zweifach: flächenmäßig und mentalitätsmäßig. Die Größe, die Bauart und der große Zeitabschnitt von sieben Jahren (1937 bis 1944) lassen verstehen, dass sich die alte Siedlung als Einheit dagegen abheben und konsolidieren musste."[1]

  • 11 Baracken wurden als Behelfsheime in Holzbauweise 1944 erstellt vom Deutschen Wohnungshilfewerk.
  • 16 Behelfsheime in Steinbauweise wurden vom Überlandwerk 1944 errichtet.
  • 20 Behelfsheime in Holzbauweise wurden von der Süddeutschen Apparatefabrik 1945 gebaut.

Quellen

  • DÖBLER, Hermann: Handschriftliche Aufzeichnungen zur Geschichte der Galgenbergsiedlung für Ulf Beier, Weißenburg, Dezember 2014
  • ENGELHARDT, Jürgen: Die Entwicklungsgeschichte der Galgenbergsiedlung Weißenburgs von den Anfängen bis zum außerordentlichen Wohnungsbauprogramm 1934; Facharbeit aus der Erdkunde am Werner-von-Siemens-Gymnasium Weißenburg bei Gustav Mödl, StR, 1982 (Kopie eines Schreibmaschinenskripts, von Reinhard Schwirzer, OB i. R., für Ulf Beier zur Verfügung gestellt)
  • GLATZ, Klaus: Analyse der Siedlung am Galgenberg Weißenburg in soziologischer und baugeschichtlicher Hinsicht nach dem Stand vom 1. Oktober 1967, abgeschlossen 17. November 1968, Manuskript im Stadtarchiv Weißenburg, Nr. 12.257, S. 9
  • MÖßNER, Fritz: Jetzt red "Ih" über 50 Jahre Galgenberg Weißenburg. Chronik unserer Siedlung sowie Gedichtli vum Galgenberch und drumrum o. J. (1983). Broschüre zum 50-jährigen Vereinsjubiläum der Siedlervereinigung; Schreibmaschinenskriptum, gedruckt, Stadtarchiv Weißenburg Nr. Z 190

siehe auch

Weblinks

Fußnoten

  1. GLATZ, Klaus: Analyse der Siedlung am Galgenberg Weißenburg in soziologischer und baugeschichtlicher Hinsicht nach dem Stand vom 1. Oktober 1967, abgeschlossen 17. November 1967, Manuskript im Stadtarchiv Weißenburg, Nr. 12.257, S. 9