Friedrich Traber: Unterschied zwischen den Versionen

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Friedrich Traber (* 1882 - ✝ 1972) war Drogeriebesitzer und der erster [[Oberbürgermeister | Bürgermeister]] in Weißenburg nach dem Zweiten Weltkrieg.
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'''Friedrich Traber''' (* 4. August 1882 in Heidelberg, † 6. Dezember 1972 in Weißenburg) war der erste [[Liste der Bürgermeister|Bürgermeister]] in [[Weißenburg]] nach dem Zweiten Weltkrieg.
  
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== Leben ==
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Nach dem Abschluss der Realschule in München und der Ableistung des Militärdienstes erlernte er den Beruf eines Drogisten. 1910 zog er nach Weißenburg und eröffnete zunächst in der Obertorstraße eine Drogerie. 1928 erwarb er das Gebäude der heutigen Volksbank in der Obertorstraße und eröffnete dort erneut eine Drogerie.
 
== Politische Tätigkeit ==
 
== Politische Tätigkeit ==
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=== Zeit bis 1945 ===
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Von April bis Anfang Juni 1933 wurde Friedrich Traber für eine kurze Zeit Mitglied im Weißenburger Stadtrat. Dieser Stadtrat war nicht mehr gewählt worden. Er wurde (Grundlage war das sogenannte "Gleichschaltungsgesetz") vielmehr auf Basis des Weißenburger Wahlergebnisses der Reichstagswahl vom 5. März 1933 bestimmt. Auf diese Weise kam mit Traber erstmals ein Kandidat der Bayerischen Volkspartei in Weißenburg in den Stadtrat. Die BVP war der bayerische Arm des politischen Katholizismus in Deutschland.<ref>Markus Herbert Schmid: Weißenburg in der Zwischenkriegsphase, Eichstätt 2007, Seite 38.</ref>
  
Friedrich Traber war von 1929 bis 1933 Stadtrat der Bayerischen Volkspartei. Traber war während der NS-Herrschaft kein NSDAP-Mitglied und besaß bei Kriegsende das Wohlwollen der katholischen Geistlichkeit. Dies soll die US-Militärregierung und den US-Militärgoverneur [[Major Bailey]] bewogen haben, Traber zum Bürgermeister zu ernennen.  
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Im Zuge der Zerschlagung der bürgerlichen Parteien durch die Nationalsozialisten wurden die lokalen BVP-Funktionäre im Juni 1933 von Ihrer BVP-Landesleitung aufgefordet, entweder der NSDAP beizutreten oder ihr Amt niederzulegen. Dies geschah nachdem der BVP-Reichstagsabgeordnete und ehemalige Staatsminister, Eugen Graf von Quadt-Isny, am 3.Juli 1933 seine Aufnahme in die NSDAP beantragt hatte. Drei Tage später gab der neue Weißenburger Bürgermeister [[Michael Gerstner]] das Rücktrittsgesuch des BVP-Stadtrats Friedrich Traber auf der Stadratssitzung am 7. Juni 1933 bekannt.<ref>Schmid, Weißenburg..., S 41</ref> Kurz darauf wurde er durch die Nationalsozialisten in Haft genommen.
  
Am 6. Mai 1945 hatte Mayor Bailey 45 Weißenburger zu einer Bürgerversammlung in den [[Wittelsbacher Hof]] geladen, die ihm einen Kandidaten zum Bürgermeister und einen Landrat vorschlagen sollten. Diese Versammlung schlug mehrheitlich Traber als Bürgermeister vor, der von der Militärregierung dann zum 1.&nbsp;Bürgermeister ernannt wurde. 2.&nbsp;Bürgermeister und Leiter des damals so wichtigen Wohnungsamtes wurde der Maler [[Hans Weislein]], Kommunist und ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Dachau.<ref>Alle Angaben nach: Rudolf Schneider: Weißenburger G'schichten. Weißenburger Heimatbücher Bd. 7. S. 141 ff.</ref>
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=== Zeit ab 1945 ===
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Traber war während der NS-Herrschaft kein NSDAP-Mitglied und besaß bei Kriegsende das Wohlwollen der katholischen Geistlichkeit. Deshalb wurde er nach dem Ende des zweiten Weltkrieges durch die damalige amerikanische Militärregierung zum kommissarischen Bürgermeister ernannt, da er als ''unbelastet'' galt. Dies geschah am 6. Mai 1945, als [[Major Bailey]] 45 Weißenburger zu einer Bürgerversammlung in den [[Wittelsbacher Hof]] geladen hatte, die ihm einen Kandidaten zum Bürgermeister und einen Landrat vorschlagen sollten. Diese Versammlung schlug mehrheitlich Traber als Bürgermeister vor, der dann zum 1.&nbsp;Bürgermeister ernannt wurde. Auf entsprechendem Druck der amerikanischen Militärregierung hatte er in dieser Funktion immer wieder unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen, was verständlicherweise nicht einfach für ihn war.
  
Bei der ersten Stadtratswahl am 27. Januar 1946 erhielt die CDU zehn Sitze, SPD vier und die KPD einen Sitz. Der neue Stadtrat wählte dann am 8. Februar Fritz Traber zum 1.&nbsp;Bürgermeister.
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Bereits vor der ersten [[Stadtratswahl Weißenburg 1946|Stadtratswahl]] nach dem Zweiten Weltkrieg war Traber maßgeblich an der Gründung des [[CSU-Stadtverband Weißenburg|Stadtverbandes der Weißenburger CSU]] beteiligt, zu dessen ersten Vorsitzender er gewählt wurde.
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Bei der ersten Stadtratswahl am 27. Januar 1946 erhielt die CSU zehn Sitze, die SPD vier und die KPD einen Sitz. Der neue Stadtrat wählte dann am 8. Februar Fritz Traber zum ehrenamtlichen Bürgermeister der Stadt. Dies erfolgte damals nicht im Rahmen der Gemeindewahl durch die Wähler, sondern nach den damaligen Regularien durch den gewählten Weißenburger Stadtrat.<ref>Alle Angaben nach: Rudolf Schneider: Weißenburger G'schichten. Weißenburger Heimatbücher Bd. 7. S. 141 ff.</ref> Das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters bekleidete er bis 1948.
  
 
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Aktuelle Version vom 6. Mai 2015, 12:49 Uhr

Friedrich Traber (* 4. August 1882 in Heidelberg, † 6. Dezember 1972 in Weißenburg) war der erste Bürgermeister in Weißenburg nach dem Zweiten Weltkrieg.

Leben

Nach dem Abschluss der Realschule in München und der Ableistung des Militärdienstes erlernte er den Beruf eines Drogisten. 1910 zog er nach Weißenburg und eröffnete zunächst in der Obertorstraße eine Drogerie. 1928 erwarb er das Gebäude der heutigen Volksbank in der Obertorstraße und eröffnete dort erneut eine Drogerie.

Politische Tätigkeit

Zeit bis 1945

Von April bis Anfang Juni 1933 wurde Friedrich Traber für eine kurze Zeit Mitglied im Weißenburger Stadtrat. Dieser Stadtrat war nicht mehr gewählt worden. Er wurde (Grundlage war das sogenannte "Gleichschaltungsgesetz") vielmehr auf Basis des Weißenburger Wahlergebnisses der Reichstagswahl vom 5. März 1933 bestimmt. Auf diese Weise kam mit Traber erstmals ein Kandidat der Bayerischen Volkspartei in Weißenburg in den Stadtrat. Die BVP war der bayerische Arm des politischen Katholizismus in Deutschland.[1]

Im Zuge der Zerschlagung der bürgerlichen Parteien durch die Nationalsozialisten wurden die lokalen BVP-Funktionäre im Juni 1933 von Ihrer BVP-Landesleitung aufgefordet, entweder der NSDAP beizutreten oder ihr Amt niederzulegen. Dies geschah nachdem der BVP-Reichstagsabgeordnete und ehemalige Staatsminister, Eugen Graf von Quadt-Isny, am 3.Juli 1933 seine Aufnahme in die NSDAP beantragt hatte. Drei Tage später gab der neue Weißenburger Bürgermeister Michael Gerstner das Rücktrittsgesuch des BVP-Stadtrats Friedrich Traber auf der Stadratssitzung am 7. Juni 1933 bekannt.[2] Kurz darauf wurde er durch die Nationalsozialisten in Haft genommen.

Zeit ab 1945

Traber war während der NS-Herrschaft kein NSDAP-Mitglied und besaß bei Kriegsende das Wohlwollen der katholischen Geistlichkeit. Deshalb wurde er nach dem Ende des zweiten Weltkrieges durch die damalige amerikanische Militärregierung zum kommissarischen Bürgermeister ernannt, da er als unbelastet galt. Dies geschah am 6. Mai 1945, als Major Bailey 45 Weißenburger zu einer Bürgerversammlung in den Wittelsbacher Hof geladen hatte, die ihm einen Kandidaten zum Bürgermeister und einen Landrat vorschlagen sollten. Diese Versammlung schlug mehrheitlich Traber als Bürgermeister vor, der dann zum 1. Bürgermeister ernannt wurde. Auf entsprechendem Druck der amerikanischen Militärregierung hatte er in dieser Funktion immer wieder unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen, was verständlicherweise nicht einfach für ihn war.

Bereits vor der ersten Stadtratswahl nach dem Zweiten Weltkrieg war Traber maßgeblich an der Gründung des Stadtverbandes der Weißenburger CSU beteiligt, zu dessen ersten Vorsitzender er gewählt wurde.

Bei der ersten Stadtratswahl am 27. Januar 1946 erhielt die CSU zehn Sitze, die SPD vier und die KPD einen Sitz. Der neue Stadtrat wählte dann am 8. Februar Fritz Traber zum ehrenamtlichen Bürgermeister der Stadt. Dies erfolgte damals nicht im Rahmen der Gemeindewahl durch die Wähler, sondern nach den damaligen Regularien durch den gewählten Weißenburger Stadtrat.[3] Das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters bekleidete er bis 1948.

Fußnoten

  1. Markus Herbert Schmid: Weißenburg in der Zwischenkriegsphase, Eichstätt 2007, Seite 38.
  2. Schmid, Weißenburg..., S 41
  3. Alle Angaben nach: Rudolf Schneider: Weißenburger G'schichten. Weißenburger Heimatbücher Bd. 7. S. 141 ff.