Ferienkneipe Weißenburg

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Die Gründung der Ferienkneipe Weißenburg, allgemein als FKW bezeichnet, fiel in die Zeit, als Schüler in Weißenburg noch kein Abitur ablegen konnten. Es gab hier damals nur ein Progymnasium; nach heutiger Rechtslage der Mittleren Reife entsprechend.

Die Ferienkneipe Weißenburg (Abkürzung FKW) wurde am 26. Dezember 1879 gegründet. Sie war eine, mit schriftlichem Kneip-Comment (eine Veranstaltungsfestlegung) und Satzung ausgestattete, Fortsetzung von Kneipveranstaltungen der Gymnasiasten während der Schulferien. In der Regel traf man sich mindestens zweimal im Jahr, und zwar in den Semesterferien der Universitäten. Während dieser kamen die Studierenden immer nach Hause. Besonders beliebt war die Weihnachtskneipe mit Christbaumversteigerung.

Gründungsinitiator war der Weißenburger Gymnasiast und spätere Geheime Rat Dr. Hans Dörfler. Der Gründungskonvent mit zehn Gründungsmitgliedern fand im Weißenburger Löwengarten statt. Im Jahr 1905 fusionierten die FKW und die 1898 gegründete Ferienverbindung Weißenburg.

Zweck der FKW war es, ihre Mitglieder während der Schul- bzw. Semesterferien zur Pflege landsmännischer Freundschaft, treuer Kameradschaft, der Liebe zur Heimat und des gemeinsamen Gedankenaustausches zu vereinen. Mitglied werden konnten Schüler ab der 7. Klasse einer höheren Lehranstalt Weißenburgs, d. h. die Absolventen des Progymnasiums. Die Studierenden sämtlicher universitären Hochschulen und Akademien, soweit sie früher Angehörige einer Weißenburger Höheren Schule waren, wurden aufgenommen. Später konnten auch ohne diese Bedingungen interessierte Akademiker, die sich beruflich in Weißenburg niedergelassen hatten, die Mitgliedschaft beantragen.

Es gab eine Aktivitas (Jungmitglieder) mit Senior, Consenior, Fuchsmajor, Burschen, Füchse und ein Philisterium für die älteren Mitglieder. Das war eine Anlehnung an die Organisation akademischer Hochschulverbindungen wie Corps, Burschen-, Landsmann- oder Sängerschaften. Auch ein sogenannter Zirkel (siehe Abbildung) wurde 1896 eingeführt. Es wurden die Studentenlieder der oben genannten Verbindungen gesungen, es gab aber auch ein spezielles FKW-Lied.

Alle Mitglieder nannten sich untereinander „Bundesbrüder" (Abkürzung: Bbr.) und trugen bei den Veranstaltungen ein weiß-rot-weißes Band.

Ähnliche Ferialverbindungen gab oder gibt es in Städten, die, wie in Weißenburg, kein Gymnasium mit Hochschulreifeabschluss hatten, also nur ein Progymnasium. Man findet derartige Ferienverbindungen unter anderem in Eichstätt, Nördlingen, Neuburg an der Donau, Ingolstadt, Dinkelsbühl. Unter den Mitgliedern der FKW kommen sehr häufig die Namen Albrecht, Brunner, Dörfler, Ehrlicher, Gröschel, Pflaumer, Raab, Rehnitz, Roth, Staudinger, Wohlleben vor.

Aus den vorhandenen Unterlagen können folgende Mitgliederzahlen festgestellt werden:

Im Jahr 1879 waren es 10, 1900 70, 1954 107, 1979 92 und 2011 40 Mitglieder.

Die FKW war eine durchaus angesehene gesellschaftliche Institution in Weißenburg. Die Kneiplokale über die Jahrzehnte waren der Löwengarten, der Wittelsbacher Hof und zuletzt der Gasthof Goldener Adler.

Aufgrund fehlenden Interesses und entsprechenden Wohlwollens von Seiten der Lehrerschaft (Schulleitungen und Lehrer), des bestehenden Kollegstufensystems und der damit verbundenen Verhinderung von Klassen- und Schülerfreundschaften und der Tatsache, dass Weißenburg und Umgebung ehemaligen, akademisch ausgebildeten Schülern kaum noch Berufsmöglichkeiten bietet, führte das zu einer Verminderung und Überalterung der Mitglieder und damit auch zu einer Reduzierung der Mitgliederzahlen.

Am 29. April 2011 beschlossen daher die versammelten Mitglieder, u. a. Peter Brunner, Horst Spitschka und Gerhard Riessner, die FKW zu suspendieren.

Die vorhandenen Unterlagen wurden dem Archiv der Stadt Weißenburg übergeben, sodass ein Abschnitt Weißenburger Geschichte erhalten werden kann.

Literatur

  • MÖDL, Gustav: schola nostra uuizzinburgi, Prechtel Verlag Weißenburg 1977, Seite 48
  • Festschrift der Ferienkneipe Weißenburg, 1972