Familiennamen im Raum Weißenburg - Kapitel 7: Rufnamen

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Kapitel 7: Rufnamen

Ursprünglich hatte jeder Mensch nur einen Rufnamen. Als es in den Städten zu viele Personen mit dem gleichen Namen gab, entstanden ab dem 12. Jh. die Familiennamen. Heute haben die 100 Mill. deutschen Muttersprachler rund 80.000 verschiedene Familiennamen (ohne Schreibvarianten und fremdsprachige Namen). Um die vielen Hinz und Kunz voneinander zu unterscheiden, gab man ihnen Beinamen. Die größte Gruppe der Familiennamen ist nach den Berufsnamen die der Rufnamen. Es war naheliegend, das Kind nach dem Vater zu nennen: Das ist der Fritz vom Karl. Ehe die Familiennamen fest wurden, konnte der Sohn vom Fritz sowohl Berthold Fritz heißen, aber auch Berthold Schmid nach seinem Beruf oder nach seiner Körpergröße Berthold Lang. Denn es dauerte meist mehrere Generationen, bis sich ein Name verfestigt hatte.

Aber Vaternamen als Familiennamen waren sehr beliebt. Dabei übernahm man den Rufnamen unverändert: Karl, Franz, Stephan, Hartmann (im Mittelalter sehr beliebter Rufname) … oder kaum verändert: Völk, Voltz (zu Volker, Volkmar) oder hängte ein Genitiv-s an (Siemens = Simons, Jakobs) oder die lateinische Genitivform mit -i (Jakobi, Petri …) oder vor allem in Norddeutschland die Endung -sen, das entspricht Sohn (Paulsen, Jakobsen) und irgendwann kamen die Namensträger nach Altmühlfranken. Beliebt war auch die Endung –mann. So war der Kleine des Otto der Ottmann, der Sohn des Gottlieb oder Gottwald (Kurzform Götz) der Götzelmann, Zachmann der Sohn des Zacharias, entsprechend Jungkunz: der Kleine des Kunz. Im Fränkischen findet man häufig die Endsilbe -lein: Hertlein der Sohn des Hartwig, Gerhard o. ä., Eckerlein zu Eckart (wie auch die Form Eckert), Reinlein zu Reinhard, -hold, Wör(r)lein zu Werner, Bräunlein zu Bruno, wie schon in Artikel 5. vermerkt. Im Falle Döderlein ist aber eher an eine Ableitung von Doderer (= Stotterer) zu denken. Im Schwäbischen ist -le beliebt: z. B. Eberle (zu Eberhard o.ä.), Reinle. Im Bairischen sind Namen mit -erl und -l entstanden: z. B. Reindl, Bartl (zu Bartholomäus), damit man weiß, wo er den Most holt. Auch die norddeutschen Verkleinerungssilben -chen, -ke und -ken finden sich bei Namen im Raum Weißenburg wieder: Bartke (s.o.), Brunke (zu Bruno), Stefke (zu Stefan), Ulke, U(h)lken (zu Ulrich).

Verkleinerungssilben wurden aber nicht nur an Rufnamen angehängt, sondern auch an Familiennamen, die nach Gegenständen benannt wurden, z. B. Hammerl (zu Hammer), Kammerl (vermutl. zu Kammer), Steinke, Steenken (zu Stein).

Familiennamen nach Rufnamen waren äußerst beliebt. Allerdings sind viele Namen heute selten geworden oder haben sich nachhaltig verändert.

Im 14. Jahrhundert wurde in der Aussprache aus einem langen i ein ei: aus Siegfried wurde Seifried, verkürzt zu Seifert, Seitz, Seis, Seid(e)l (aus der Kindersprache Sidi), Siegbold → Seibold; aus langem u wurde au: Bruno → Braun, Hugo → Haug, Lukas → nicht nur Lux, sondern auch Laux.

Manche Namen wurden allerdings bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt oder verballhornt. Zu Andreas gehören: Anders, Anderle, Andrischan, Endner, Endisch, Endreß, Enderlein, Drießlein, Drews …, zu Eligius: Gilch, Jilg, Loy, Lich ...; zu Heinrich: Hein,-e, Heinz,-e, Heinemann, Heinecke, Hinrich,-s, Hennek ...; zu Jakob: Jackl, Jäckel, Jakobi, Jakuszeit, Jaschke, Köppel …; zu Johannes: Jahnel, Jansen, Jänichen, Jentsch, John, Janosch, Hanns, Hanke, Hanus, Hantschmann, Henschel, Hentzschel …; zu Konrad: Kunz,-e, Kuhn, Kühn,-el, Kunerth, Künzel, Kunisch, Kienzle, Konzelmann, Kühnlein, Kienlein …; zu Wigbert: Wichmann, Weichmann, Weihmann, Weickmann, Weigl

Amler ist die Kurzform von Amelrich, Aßmann von Erasmus, Betz von Berthold o.ä., Birkel von Burkhard, Degen von Degenhard, Engel, Engeler von Engelhard, -bert o.ä. (wenn nicht von dem Hausnamen „Zum Engel“), Goppel(t) von Godbert o.ä., Kuschel von Godizo; Katheder ist zum Rufnamen Cado zu stellen – alles kaum mehr gebräuchliche Rufnamen. Auch Billing ist ein alter Vorname. Hetzel ist von Hermann, Lidl und Lutz sind von Ludwig abzuleiten, Lühker und Lihr von Ludger, Luff von Ludolf, Maas von Thomas, Mack von Markward. Mangold ist ein heute nicht mehr gebräuchlicher deutscher Rufname. Nickel und möglicherweise auch Gloßner gehen auf Nikolaus zurück, Opitz und Opitsch auf Albrecht, Riedel auf Rudolf oder Rüdiger, Rieger auf letzteren, Rötsch ebenfalls oder auf Roderich u.ä. Ritzer ist eine Ableitung eines Rufnamens Ritz (zu Richard, Heinrich oder Moritz), Struller wahrscheinlich von dem alten Rufnamen Strullo. Die Reihe ließe sich noch lange fortsetzen.

Siehe auch

Familiennamen im Raum Weißenburg - Alphabetisches Verzeichnis

Literatur zu den Familiennamen

  • Bach, Adolf: Deutsche Namenkunde 1, Die deutschen Personennamen, 3. Auflage, Universitätsverlag Winter Heidelberg, 1978, ISBN: 978-3-8253-0232-0
  • Bahlow, Hans: Deutsches Namenlexikon, suhrkamp taschenbuch, Frankfurt am Main, 1972
  • Brechenmacher, Josef Karlmann: Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen, Limburg a. d. Lahn, 1960
  • Gottschald, Max: Deutsche Namenkunde. Unsere Familiennamen, 5. Auflage, Walter de Gruyter-Verlag, Berlin und New York, 1982
  • Kohlheim, Rosa und Volker : Duden - Familiennamen, Herkunft und Bedeutung, Dudenverlag Mannheim u. a. O., 2000, ISBN: 3411708514 / 3-411-70851-4
  • Naumann, Horst: Das große Buch der Familiennamen, Wiesbaden o. J.
  • Rymut, Kazimierz und Hoffmann, Johannes: Lexikon der Familiennamen polnischer Herkunft im Ruhrgebiet, Krakau 2010