Familiennamen im Raum Weißenburg - Kapitel 3: Wohnstättennamen

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Kapitel 3: Wohnstättennamen

Familiennamen wurden nach verschiedenen Gesichtspunkten vergeben. Hier wollen wir die Namen betrachten, die man nach dem Wohnplatz des Hinz oder Kunz gewählt hat.

Der Baumgärtner hat nahe bei einem Obstgarten gewohnt oder diesen sogar betreut. Der Brunnacker hatte sein Feld nahe an einer Quelle. Der Dorner wohnte entweder an einer Dornenhecke oder kam aus Dorn, Dornau o.ä. wie auch Haag als Ortsname vorkommt und die Hecke meint. Eder ist gleichbedeutend mit Öder und meint den in einer Einöde Wohnenden, auch wenn der Meister Eder ein Schreiner mit einem Pumuckl ist. Der Name Gruber ist mehrdeutig. Er konnte in oder an einer (Sand-, Ton-, Stein-)Grube wohnen, aus einem der vielen Orte mit Namen Grub stammen oder schlichtweg in einer Bodensenkung sein Zuhause haben. Himmel und Höll bezeichnen den hochgelegen und den abgelegenen Wohnsitz und haben mit Gott und Teufel nichts zu tun. Nur der Oberst wohnte noch höher als der Himmler. Hölzel bezieht sich auf die Wohnstätte am kleinen Holz (= Wald), Maderholz auf die nur einmal im Jahr gemähte Wiese bei einem Wald.

Der Niffnecker wohnte an einem scharfen Eck, an dem die Wagenräder am Gestell wetzten, das nannte man niffen. Mit Nüßlein und Hasl ist höchstwahrscheinlich das Haselnussgebüsch gemeint. Amend ist zu lesen als Am End, d. h. am Ortsende Wohnender. Der sein Haus an einer windigen, durch Büsche geschützten Stelle hatte, war der Rauenbusch. Für eine Spedition spielt das heute keine Rolle. Ein Rieder kam entweder aus dem Ort Ried, den es Dutzende Male gibt, oder er hat in der Nähe eines Riedes, das ist ein Moor, gewohnt. Entsprechendes gilt für den Namen Reut(n)er. Reuth ist ein sehr häufiger Ortsname und bedeutet Rodung. Aber auch jemand, der Rodungsarbeiten durchführt, hieß Reuter. Rosskopf heißen mehrere Berge. Die Steingass war im Gegensatz zu den meisten anderen Gassen im Mittelalter bereits gepflastert. Ein Winkler konnte in einem Winkel wohnen oder aus dem Ort Winkel kommen, aber auch ein Kleinkrämer sein, der in einem Winkel seinen Laden hatte. Nicht zuletzt hießen die evangelischen Waldenser der Vorreformationszeit Winkler, weil sie in Winkeln predigten.

Zu diesen Wohnstättennamen gehören auch viele Exulantennamen. Nach dem 30-jährigen Krieg kamen aus dem „Ländlein ob der Enns“, dem heutigen Oberösterreich und aus dem westlichen Niederösterreich Tausende evangelische Glaubensflüchtlinge in unsere Gegend, weil sie gezwungen waren, entweder katholisch zu werden oder das Land zu verlassen. Sie haben oft vielsilbige Wohnstättennamen, z. B. Hinterleitner (Leite = Steilhang), Birngruber (Hof an einer Vertiefung mit Birnbäumen), Ehrengruber (= mit Kornähren), Obernöder (Oberer Einödhof), Buchstaller (Stelle mit Buchen). Wer sich dafür näher interessiert, findet im Artikel Exulantennamen im Raume Weißenburg weitere Infromationen. Dort sind Artikel aus den Weißenburger Blättern villa nostra 1/2009 eingestellt.

Viele Exulantennamen sind aber auch Herkunftsnamen, siehe hierzu Familiennamen im Raum Weißenburg - Kapitel 4: Herkunftsnamen.

Siehe auch

Familiennamen im Raum Weißenburg - Alphabetisches Verzeichnis

Literatur zu den Familiennamen

  • Bach, Adolf: Deutsche Namenkunde 1, Die deutschen Personennamen, 3. Auflage, Universitätsverlag Winter Heidelberg, 1978, ISBN: 978-3-8253-0232-0
  • Bahlow, Hans: Deutsches Namenlexikon, suhrkamp taschenbuch, Frankfurt am Main, 1972
  • Brechenmacher, Josef Karlmann: Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Familiennamen, Limburg a. d. Lahn, 1960
  • Gottschald, Max: Deutsche Namenkunde. Unsere Familiennamen, 5. Auflage, Walter de Gruyter-Verlag, Berlin und New York, 1982
  • Kohlheim, Rosa und Volker : Duden - Familiennamen, Herkunft und Bedeutung, Dudenverlag Mannheim u. a. O., 2000, ISBN: 3411708514 / 3-411-70851-4
  • Naumann, Horst: Das große Buch der Familiennamen, Wiesbaden o. J.
  • Rymut, Kazimierz und Hoffmann, Johannes: Lexikon der Familiennamen polnischer Herkunft im Ruhrgebiet, Krakau 2010