Die Bombardierung Weißenburgs am 23. Februar 1945

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Gegen 12:30 Uhr gab es den einzigen schweren Luftangriff auf Weißenburg im Zusammenhang mit der Bombardierung Treuchtlingens und Ellingens, bei dem 22 Menschen ums Leben kamen und erheblicher Sachschaden entstand. In einem Schreiben des Stadtbauamtes vom 2. Juli 1945 an das Landratsamt wird berichtet, dass fünf Wohnhäuser ganz zerstört wurden, zwei zu mehr als der Hälfte und 15 Gebäude mittlere oder geringe Schäden aufwiesen.

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Es ist anzunehmen, dass ein Flugzeug vom Typ der B-17-Bomber der US-amerikanischen Luftwaffe aus der Angriffsformation auf Ellingen ausscherte und Weißenburg ins Visier nahm. Ob dabei der Bahnhof zerstört werden sollte, ist nicht klar. Bekannt ist nur, dass an diesem Tag das Luftkampfunternehmen "Clarion" lief, das zum Ziel hatte, möglichst viele Verkehrsverbindungen im gesamten Deutschen Reich zu zerstören. Alle Augenzeugen berichten, dass der Angriff sehr schnell kam und praktisch keine Zeit mehr war, sich noch in Sicherheit zu bringen. Es fielen mehrere Splitterbomben im südlichen Bereich des Platzes Am Hof und in der Spitalanlage. Durch den heftigen Luftdruck wurden viele gegen die Wand oder gegen Möbelstücke geschleudert und zogen sich dadurch Verletzungen zu, einige wurden dabei sogar getötet. Zahlreiche Menschen waren wegen der Fliegeralarmwarnungen schon am Vormittag sicherheitshalber in die Felsenkeller am Stadtrand geflüchtet.

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Hans Mutzbauer war als Siebzehnjähriger zur Flugwache am Turm der Andreaskirche eingeteilt und sah, wie eine riesige Staubwolke an der Einschlagsstelle aufstieg. Sofort nach der Entwarnung trafen Helfer ein, sowohl der Reichsarbeitsdienst (RAD), der in der Jahnstraße beim ehemaligen Sportplatz des TSV Weißenburg untergebracht war, als auch russische Kriegsgefangene von der Wülzburg sowie zahlreiche freiwillige Helfer. So konnte als Erster ein kleiner Schuljunge aus den Trümmern gerettet werden. Auch ein kleines Mädchen, das verschüttet war und verzweifelt um Hilfe rief, konnte aus dem Schutt befreit werden. Für die beiden Enkelkinder der Schönmetzler-Oma, die diese aus München zu sich geholt hatte, um sie vor den dortigen Bombenangriffen zu schützen, kam jedoch jede Hilfe zu spät wie für viele andere auch. Die 22 Toten - unter ihnen neun Kinder, das jüngste nur wenige Tag alt - wurden in der Albrecht-Scheune aufgebahrt und noch am selben Tag am Nachmittag am Südfriedhof bestattet. Der Grabstein erinnert an die Opfer. Die Namen und Geburtsdaten sind auf dem Foto rechts unten zu lesen.

Ein weiterer Luftangriff auf Weißenburg durch Tiefflieger erfolgte am 21. April 1945 - zwei Tage vor dem Einmarsch der US-amerikanischen Soldaten in Weißenburg. Glücklicherweise kam dabei niemand ums Leben, wohl aber wurden sechs Gebäude gänzlich zerstört, drei weitgehend und drei weitere erheblich. Die Wunden waren bis in die 1970er Jahre im Stadtbild (z. B. in der Judengasse) zu sehen.

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Trotz der traurigen Bilanz von 22 Toten kam Weißenburg noch verhältnismäßig glimpflich durch den Krieg im Vergleich zu den Nachbarstädten Ellingen, das am gleichen Tag durch amerikanische Fliegerangriffe 94 Tote zu beklagen hatte, und Treuchtlingen, in dem es 586 Tote gab - ganz zu schweigen von den Großstädten Nürnberg, München oder gar Würzburg und Dresden mit vielen Tausenden von Toten.

Quellen

  • Berichte verschiedener Weißenburger/innen und Artikel im Weißenburger Tagblatt vom 25. Februar 1995 (von Uwe Ritzer) und vom 26. Februar 2004 (von Hubert Stanka)